Hajo Hoffmann – Nachruf

Hajo Hoffmann starb gestern am 02. August im Alter von 57 viel zu früh an einem Herzinfarkt. Der Violinist stammte aus Hannover, und spielte auch Mandoline und Ukulele. Der vielseitige Künstler unterrichtete erst an der Kölner Hochschule wo er selbst studiert hatte und war später lange Jahre als Dozent für Jazzvioline und Weltmusik an der Hochschule für Musik in Hannover tätig. Als Musiker und Szene-Größe machte er sich in diversen Swing-Ensembles unter anderem mit Jörg Seidel und dem European Swing Trio, mit Jörg Widmoser und sogar mit Charlie Mariano einen Namen und arbeitete auch mit Heinz Rudolf Kunze zusammen. Inzwischen in Schalksmühle lebend war seinen eigenen musikalischen Projekten immer eine gute Portion verschmitzter Humor zu Eigen, darüber hinaus gab er sich ungern mit Standardlösungen zufrieden, sondern suchte konsequent und innovativ seinen eigenen Weg. Das zeigte sich schon auf der CD zum ersten Crossover-Soloprojekt ‚Mandovocale’ mit Mandoline und wurde  beim zweiten Solo-Projekt mit Ukulele noch deutlicher, denn er stimmte die Ukulele nicht wie üblich, sondern wie eine Geige oder Mandoline – nur eine Quarte tiefer! Zu seiner ganz eigenen Stimme auf diesem Instrument trug noch bei, dass er sie mit Plektrum wie eine Mandoline statt mit Fingern spielte. Echter Crossover zwischen Mandoline und Ukulele. Aus beiden Welten schaffte der Künstler so etwas Eigenes mit erweitertem Tonumfang, live auch gern mit Loop-Station, jedes Mittel war recht. Das Klangbild seiner Ukulele war transparent und weicher als mit der Mandoline. Der Begriff Crossover bezog sich natürlich eigentlich mehr auf den Stilmix, jazziges stand gleichberechtigt neben portugiesisch/brasilianischen Folklore-Anklängen, hier ruhig, da virtuos schafften eigene Kompositionen Abwechslung und Barock war ein weiterer Gegenpol: Bachs Chaconne für Violine funktioniert auch eine Quarte tiefer überzeugend. Ansonsten wurden auf seiner Solo- CD ‘Los gelassen- Ukulele in Concert’ die Genres munter verwoben und das Ganze mündete leicht ironisch im Kinderlied ‚Alle Vöglein sind schon da’ mit jazziger Intervention von Brubecks ‚Take Five’. Ein wunderbarer Musiker ist viel zu früh gegangen, von Hajo Hoffmann wäre ganz sicher noch viel Inspirierendes gekommen.
Jens Hausmann

Neuveröffentlichung Precious Moments

Am 10. Juli wurde das langersehnte Solo Album von Jens Hausmann beim Label TimeZone Records veröffentlicht. 16 Solo Stücke aus eigener Feder 74 Minuten ohne Overdubs eingespielt im Gewölbekller des Gemeindehauses der Martin Luther Kirche in Detmold. Einige Resonanz ließ sich bereits erzielen zum Beispiel ein feines Interview auf Klangverfuehrer, Artikel in Grant Gtrs, Gitarre & Bass sowie etwas Airplay. Mehr Infos zum Album gibt es unter Jenshausmann.de

Hier schon mal ein Vorgeschmack

B.B. King verstarb im Alter von 89 Jahren

Eine Blueslegende geht von uns.

B.B. King starb gestern am 14. Mai im Alter von 89 Jahren in Las Vegas. Seine Fans mussten damit rechnen und waren in Sorge, seit sich der Blues-Veteran Anfang Mai nach langer Krankheit in Hospitzpflege begeben musste. Das B.B. im Namen stand für Blues Boy, Riley B. King erblickte 1925 auf einer Farm von Baumwollpflückern das Licht der Welt. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, die ihn ermunterte in der Kirchengemeinde zu musizieren. Den Durchbruch hatte der Gitarrist und Sänger mit ‘The Thrill Is Gone’, insgesamt hat er über 75 Alben veröffentlicht und konnte 14 Grammys sammeln, etwa genauso viele Kinder werden ihm von entsprechend verschiedenen Müttern nachgesagt! King brachte seine Gitarre zum „weinen“ und schüttelte sein Markenzeichen-Vibrato buchstäblich aus dem Handgelenk. Er spielte regelmäßig mit Größen wie Eric Clapton und war einer der einflussreichsten Musiker der Blues- und Rock-Geschichte. Als vierfacher Ehrendoktor und Mitglied der Rock & Roll Hall of Fame, wie auch auf dem Hollywood Walk Of Fame wurde er schon lange als Legende des Blues gewürdigt. Einer der ganz Großen ist nun von uns gegangen. Ruhe in Frieden und Danke für die unendlich große Inspiration, B.B. King!

Jens Hausmann

Dominantketten – Improvisation

Dominantketten tauchen in vielen Jazz-Stücken auf. Solange es flott geht, wie bei einem Turnaround im Jazz-Blues, kommt man bei der Improvisation schon mal über die Runden, ohne sich im Einzelnen um die Akkorde oder gar Skalen zu kümmern. Wenn die jeweiligen Akkorde aber einen ganzen Takt oder länger andauern muss man auf die Akkordtöne einzugehen. Beispiele wären alte Nummern wie Sweet Georgia Brown, oder der typische B-Teil der Rhythm-Changes, das ist die allgemeine Bezeichnung für die Akkorde des Stücks “I Got Rhythm von George Gershwin”. Oft werden hierfür einfach verschiedene Mixolydische Skalen auf den jeweiligen Grundton bezogen und hintereinander gereiht, aber das geht eleganter. Für einen größtmöglichen gemeinsamen Nenner von Tönen im Stück könnte man zum Beispiel die Arpeggiotöne (Töne der Akkorde) nehmen und die Lücken mit den Tönen der Tonleiter auffüllen, in der das Stück steht. Schließlich kommt die Dominantkette im Prinzip einfach daher, dass Mollseptakkorde eine große Dominantterz bekommen. So wird folgende Kadenz zu einer Dominantkette.

Kadenz in C-Dur: | Em7 |Am7 | Dm7 | G7 | Cmaj7 | (3-6-2-5-1)

Dominantkette: | E7 |A7 | D7 | G7 | Cmaj7 | (3-6-2-5-1)

Für jeden Akkord müsste man also nur auf einen einzigen Ton aufpassen, nämlich die große Terz, der Rest bleiben die Töne aus der C-Dur Tonleiter! Es ist also ganz einfach und sieht nur kompliziert aus, wenn das folgende Bezeichnungen ergibt:

E7: E-Mixolydisch b9b13 (Töne von A-Harmonisch-Moll)

A7: A-Mixolydisch b13 (Töne von D-Melodisch-Moll)

D7: D-Mixolydisch (Töne von G-Dur)

G7: G-Mixolydisch (Töne von C-Dur)

Vor diese Kette könnte man noch ein B7 vorschalten. Damit wäre man für alle Fälle gerüstet und hätte auch einen Septakkord für die 7. Stufe, wo eigentlich ein Bm7b5 steht. Dieser neue Dominantseptakkord hätte dann allerdings zwei Akkordtöne die von C-Dur abweichen. Das ist zum einen die große Terz D# und zum anderen die Quinte F# statt der verminderten Quinte F. Das ergibt dann:

B7: B-Mixolydisch b9b13 (Töne von E-Harmonisch Moll)

Fazit:
Wir kommen also mit „normalen“ mixolydischen Skalen schon ziemlich weit, bei D7 und G7 bleibt es dabei. Für A7 hätten wir mit dem Ton F die b 6/b13. Für E7 wäre das F die b2/b9 und C die b6/b13. Aber wie gesagt es bleibt jeweils bei den Tönen der C-Dur Tonleiter und der großen Dominantterz des jeweiligen Akkordes. Einzige Ausnahme B7: hier müsste man zusätzlich auf die Quinte achtgeben, der Akkord ist in diesem Kontext aber ohnehin selten, meistens gehen Dominantketten auf der dritten oder sechsten Stufe los.

Jens Hausmann

Autumn Leaves / Fly Me To The Moon / Improvisation

Harmonische Analyse und Improvisation
Autumn Leaves: Zwei tonalen Zentren
Bezieht man sich bei Autumn Leaves auf die einfachere Version in Em, wie sie zum Beispiel im alten „Realbook“ steht hat man es mit den folgenden zwei tonalen Zentren zu tun.
Eine Kadenz in G-Dur: | Am7 | D7 | Gmaj7 | Cmaj7 | (2-5-1-4)
und eine in E-Moll: | F#m7b5 | B7b9 | Em7 | (2-5-1 in Moll)
Für die G-Dur Kadenz finden wir alle Akkordtöne in der G-Dur-Tonleiter und können die beim Improvisieren auch die ganze Zeit verwenden. Wenn man dabei die Akkordtöne des jeweiligen Akkordes im Auge behält, der gerade dran ist reicht das schon völlig aus. Es ist in diesem Kontext nicht unbedingt erforderlich sich Gedanken über Akkordskalen/Modi zu machen, trotzdem liste ich sie noch mal auf: mit den G-Dur Tönen spielt man sie automatisch, im Einzelnen wären das: A-Dorisch, D-Mixolydisch, G-ionisch, C-lydisch, E-Aeolisch, F#-Lokrisch und B-phrygisch, diese letzte Tonleiter kommt aber bei Autumn Leaves nicht vor, denn wir haben an dessen Stelle den Dominantseptakkord B7b9 und damit kommen wir schon zur Moll-Kadenz.

Für die E-Moll-Kadenz brauchen wir statt D das D# als Dominant-Terz für B7b9. Praktisch wäre jetzt eine E-Moll Tonleiter mit D# statt D, oder? Kein Problem: die nennt man E-Harmonisch Moll, weil sie zu den Akkorden (Harmonien) passt. Bezogen auf die fünfte Stufe B nennt man sie dann Harmonisch-Moll 5, oder B-Mixolydischb9b13, was etwas kompliziert klingt. Aber keine Sorge, es geht immer noch um die alte E-Moll-Tonleiter, bei der nur ein Ton verändert wird! Diese Tonleiter ist perfekt, solange wir gerade bei E7b9 sind. Über F#m7b5 spielt man entweder Lokrisch (das sind die G-Dur Töne von F# aus) oder auch hier diese neue Tonleiter mit dem D#, das könnte dann Lokrisch mit großer Sexte heißen, aber es bleibt bei den die gleichen Tönen.

Fly Me To The Moon
Würde man in derselben Tonart „Fly Me To The Moon“ spielen, bräuchte man nur einen weiteren Akkord, eine Zwischendominante. Das E7 hätte in diesem Kontext Dominantfunktion zu Am. Bei den G-Dur Tönen über Am7 braucht man auch hier nur einen einzigen neuen Ton, das G#. Diese Tonleiter nennt man A-Melodisch Moll, als Akkordskala über E7 ist das ein E-Mixolydisch b13.

Fazit:
Wir kämen also insgesamt auf drei Tonleitern:
G-Dur/E-Moll Tonleiter: G A B C D E F# G (E F# G A B C D )
E-Harmonisch Moll: E F# G A B C D# E
A-Melodisch Moll: A B C D E F# G# A
Übrigens: Von A-(Natürlich) Moll aus gesehen (A B C D E F G A) gäbe es hier zwei Unterschiede das F# und das G#. Bei A-Dorisch (G-Dur Töne) ist das F# schon dabei, daher müssen wir nur einen neuen Ton berücksichtigen.

Jens Hausmann

Helm Van Hahm

Helm van Hahm, Foto: Heinz-Hermann Dölvers

Helm van Hahm, Foto: Heinz-Hermann Dölvers

Der aus Paderborn stammende Gitarrist ist vielen bekannt durch das Duo Helm & Heik mit dem er fünfzehn Jahre unterwegs war und einige Film Guitar Show CDs veröffentlicht hat. Nach dem klassischen Studium kann der Wahl-Münsteraner für sein Solo Fingerstyle Projekt aus dem Vollen schöpfen: ein grooviges Repertoire von Eigenkompositionen inklusive Melodien mit Ohrwurmqualitäten zwischen Folk, Rock, Klassik und Jazz. Live überzeugt der Stahlsaitengitarrist obendrein durch charmanten Humor mit dem er das Publikum an die Hand nimmt und starke Bühnenpräsenz und damit ist hier nicht seine beachtliche Körpergröße gemeint. Zur 2011 erschienen CD ‚La Isla’ hat er vor einiger Zeit einen Band mit Noten und Tabulaturen bei Acoustic Music Books mit dem markigen Untertitel: ‚13 Unspielbare Stücke Für Holzgitarre’ veröffentlicht, ein schöner Anlass für ein kleines Interview.

Bewundernswert, zu der exquisiten Fingerstyle CD gibt es nun auch eine schicke Notenausgabe, alles ist haargenau nachvollziehbar. Hattest du schon vorher Deine Musik notiert?
Etwa die Hälfte hatte ich schon von Hand aufgeschrieben, aber das war nur ein kleiner Vorteil. Eine druckreife Notation am Computer ist dann doch eine ganz andere Sache mit großem Aufwand.

Hattest du das dann gleich beim Komponieren notiert, um nichts zu vergessen?
Meist schreibe ich erst sehr spät etwas auf, wenn das Stück schon lange fertig ist. Abgesehen von Notizen, z.B. lassen sich kontrapunktische Sachen leichter einüben, wenn man sie vor Augen hat.

Erzähl uns mehr von deiner Kompositionsweise, wie kommst Du auf diese abgefahrenen Ideen beim Komponieren, z.B. bei ‚The stoned Hobbit’? So ein Stück fließt ja wahrscheinlich nicht von selbst und will erarbeitet werden.
Tja, wie komme ich auf Ideen, erstmal spielen da die völlig verschiedenen musikalischen Einflüsse, die ich im Laufe von über 30 Jahren aufgesogen habe sicherlich rein. Beim Hobbit blieb ich am ersten Motiv mit den schrägen Intervallen hängen und habe das weiterentwickelt. So wird eine musikalische Zelle zu einem Puzzleteil, wie in einer klassischen Komposition. Auf die Art fange ich wohl meist mit einem kleinen Teil an, um den auszuarbeiten: vielleicht ein Motiv, ein längeres Stück, oder eine Basslinie, je nachdem. Das passiert eher unbewusst, ich analysiere das als Komponist nicht selbst.

Eine Analyse ist nicht nötig, aber jeder hat Taktiken, mit denen er gut weiterkommt. Bei mir wäre es eher andersrum, dass ich erst eine grobe Skizze hätte, etwa mit einer Akkordfolge oder Melodie anfange und dann Details ausarbeite, statt mit kleinen Teilen anzufangen.
Ja stimmt, so kann man das sehen. Bei ‚St.Hippolyte’ etwa geht der Basslauf die ganze Zeit durch, während verschiedene Motive und Variationen hinzukommen. Das ist andererseits dann auch ein Kompositionsprinzip des Kontrapunkts, so auch beim ‚Sonnentanz’ und stellenweise beim ‚New Year Swing’, das mache ich gern, wäre aber ohne klassisches Studium vielleicht nicht so sehr in diese Richtung gegangen. Wobei es als Fingerpicker in der Jugend schon bei Angie mit solchen Elementen im Kleinen anfing, in der Zeit spielte ich auch Santa Cruz von David Qualey, ohne diesen Einfluss wäre wahrscheinlich der Sonnentanz nicht so entstanden.

Soviel zu Handwerk und Disziplin, woher kommt dann die Inspiration?
Die muss erstmal da sein, würde ich mich einfach hinsetzen und mir vornehmen etwas zu schreiben, würde das nicht funktionieren. Es kommt meistens dann, wenn ich nicht dran denke. Ich bin dann vielleicht in einer bestimmten Stimmung, auf Reisen, im anderen Land, oder es gibt große Veränderungen und wichtige Entwicklungen im Leben, die mich beschäftigen. Ich brauche dafür unbedingt frischen neuen Input.

Aber Du verarbeitest nicht konkret eine Situation, es fließt eher intuitiv ein?
Grundsätzlich schon, jedoch wäre ‚Acromegalic Land’ ein Beispiel für die innere Auseinandersetzung mit der gesamten Lebenssituation nach einer einschneidenden Krankheitsdiagnose.

Helm van Hahm - Foto: Thomas-Rathay

Helm van Hahm – Foto: Thomas-Rathay

Danke, ich verstehe, so viel dazu. Magst du kurz deine anderen Projekte vorstellen?
Das Duo Helm & Heik gab es bis 2009, inzwischen habe ich ein schönes Krimiprogramm mit dem Schriftsteller Kai Engelke zusammen das heißt: ‚Musik Liegt In Der Gruft’. Also Lesungen mit Musik, dabei sind es oft auch umarrangierte Stücke vom alten Filmmusik Duo. Obwohl ich von Kai erst drauf gestoßen werden musste und anfänglich wenig Lust dazu hatte, macht das jetzt richtig Spaß. Manchmal brauche ich dazu auch kleine, japanische Helfern als Duopartnerersatz. Das alte Märchenprogramm mit Everhard Drees gibt es auch noch. Das kann ich oft mit meiner eigener eigenen Musik umrahmen, die dadurch einfach nur in einen anderen Kontext gesetzt wird.

Gut. Deine extra großen Gitarren machen natürlich neugierig.
Beide Stahlsaitenmodelle mit Cutaway sind von Albert Müller. Etwa vier Jahre nach dem Studium wollte ich 2000 wieder Stahlsaiten spielen. Es fing an mit der S5, bei der Bestellung ging ich von meiner Imai Konzertgitarre mit 60 mm Sattelbreite und langer Mensur aus. Die S5 ist extra groß mit Sattelbreite 56 cm, Palisanderkorpus mit Sitkafichte und hatte eine 66er Mensur. Später kam die S3 hinzu mit 65er Mensur dazu. Die S5 wurde jetzt gerade erst von Ernie Rissmann auf 65 cm umgerüstet und ist wieder meine Hauptgitarre, nachdem ich sonst meist die S3 spielte. Für Stahlsaiten ist die Saitenspannung bei 66 cm einfach zu hoch, damit kam ich nicht zurecht.

Wie sieht es mit der technischen Seite und Verstärkung aus?
Beide Gitarren haben ein AER Ak-15 System verstärkt wird über den Schertler Unico. Im Effektboard ist die einfache Boss Loopstation, als Hallgerät der Room-Mate von T-Rex und der Octaver OC-3. Ein cleveres Teil, es oktaviert nur bis zu einem bestimmten Ton, so kann man z.B. das E auf der A-Saite einstellen. Das Wah-Pedal ist inspiriert von Wishbone Ash. Es ist ein Cry Baby Wah mit original Muddy Manninen Modifikation, die ich mir machen ließ. Für mich das beste Wah der Welt, es klingt, als ob man ein Katze am Schwanz zieht. Das brauche ich sogar für die akustische Gitarre. Alle Effekte nutze ich allerdings nur in Maßen 1-2 Mal pro Konzert. Die E-Gitarre ist eine ESP Strat von 1990 ohne Tremolo, das ist ja ansich schon ein Statement, geaut zu einer Zeit, in der jeder ein Tromolo extensiv nutzte. Sie hatt eine Sattelbreite von 51mm, ist nichts dolles aber somit schön groß. Im Soloprogramm nutze ich sie über eine vorbereiteten Gitarrenbegleitung aus der Loopstation, eine schöne Möglichkeit alleine E-Gitarre spielen zu können, aber ich bin kein Loop-Akrobat mit Beats und Steptanz.

Vielen Danke für das Gespräch!

Jens Hausmann

www.helmvanhahm.com

Sound Of Blomberger Songfestival Vol. 2

Vom Blomberger Songfestival erscheint nunmehr der zweite Sampler. Ein Zusammenschnitt der ersten vier Jahre wurde bereits auf Doppel-CD festgehalten. Die aktuelle CD enthält mit 15 Tracks das Beste aus den Jahren 2011-2013.

Während in der Anfangszeit ein musikalisches Motto wie „Musik der Beatles“ den Rahmen für die zumeist lokalen Acts bot, dokumentiert das neue Album insbesondere den Wandel zu einem ausgewogenen Mix mit überregional bekannten Künstlern von teils internationalem Format, die jeweils ihr eigenes Programm präsentieren. Schon der Opener lässt aufhorchen. Der Schotte Ray Wilson, Ex-Sänger von Genesis zeigt, was man aus dem Song „Mama“ mit Quintett und etwas Humor machen kann. Mit Werner Lämmerhirt und Klaus Weiland geben sich zwei Ikonen der Akustikgitarre die Ehre, die wie kaum jemand sonst die deutsche Akustikszene bis heute prägten. Da darf das legendäre Stück „Das Loch in der Banane“ natürlich nicht fehlen. Vor kurzem war Julian Dawson noch mit Wolfgang Niedecken akustisch unterwegs. Hier ist er zu hören mit Uli Kringler, gänsehautverdächtig mit dem Titelsong der CD „Fragile as China“ von 1991.

Die Festivalmitschnitte bilden die herzliche Wärme einer Clubatmosphäre ab, wie sie nur im direkten Kontakt zum Publikum entstehen kann, das andererseits groß genug ist, um begeistert in Stimmung zu kommen. Das kommt gerade auch Katja Werker zu Gute, die mit ihrem intensiv eigenwilligen Gesang das Publikum fesselt. So wie sie bringen auch Christina Lux und Adwoa Hackman die Zuhörer zum Mitsingen und mit einer Prise Soul und Groove den richtigen Flow. Das passt zu „Schweben“, so heißt der Song von Dirk Schelpmeier, den er mit Natalie Plöger an Kontrabass und Gesang im Duo vorträgt. Die beiden „Friends“ begleiten zudem den Festivalinitiator Volkwin Müller bei Lennons „Woman“. Volkwin hat später Gelegenheit an seine eigene Vergangenheit mit der Band Galileo anzuknüpfen: auf der Bühne mit Bert Halbwachs, am Mischpult sorgt sein alter Bandkollege Thomas David bei den Blomberger Songfestivals für den guten Ton.

Eine Hymne wie Cohens „Halleluja“ kann sich nur erlauben, wer gesanglich aus dem Vollen schöpft, ausgerechnet der Multi-Instrumentalist Carsten Mentzel kann da trefflich punkten. Ebenfalls wie er ist der Brite Pete Alderton in Paderborn ansässig und gibt dem Paul Weller Song „The Loved“ mit charismatisch rauchiger Stimme einen völlig neuen Dreh, jazzig unterstützt an der E-Gitarre von Jens Hausmann. Wie wär’s noch mit etwas spanischem Flair und südamerikanischen Bossa? Dass das auch wunderbar mit deutschen Texten geht, beweist Thilo Martinho mit „Deine Zeit am Meer“.

Das besondere i-Tüpfelchen bei diesem gelungenen Mix ist Stoppok, dessen beeindruckendes Bühnensetup mit vielen Saiteninstrumenten auf dem Cover zu sehen ist. Er ist einer von den alten Hasen mit unglaublich umfangreichem Repertoire aus eigener Feder. Ein cleverer Zug, dass sein herrlich nölig lakonischer Gesang gleich mit zwei Songs auf dem Silberling vertreten ist.

Der Sampler bietet einen schönen Rückblick auf die letzten drei Jahre und macht Appetit auf das familiäre Ambiente bei zukünftigen Blomberger Songfestivals.

Auch das liebevoll gestaltete Klappcover greift das Gefühl von musikalischer Zusammengehörigkeit auf: die Namen der Künstler stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Die CD ist im gut sortierten Fachhandel, bei www.volkwino-music.de sowie als Download bei Amazon und i-Tunes erhältlich.

Jens Hausmann

Tracklist:

01 Ray Wilson & Qulntett – Mama 4:57
02 Katja Werker – Dir gehört mein Herz 3:52
03 Stoppok – Wie tief kann man sehen 4:26
04 Schelpmeier & die Plögerette – Schweben 4:10
05 Klaus Weiland – Das Loch in der Banane 4:19
06 Julian Dawson & Uli Kringler – Fragile as China 4:32
07 Volkwin Müller & Friends – Woman 3:24
08 Thilo Martinho – Deine Zeit am Meer 3:10
09 Werner Lämmerhirt – Don’s Boogie 2:44
10 Christina Lux – Healing waters 4:48
11 Pete Alderton & Jens Hausmann – The loved 4:54
12 Volkwin Müller & Bert Halbwachs – Dass Du nicht da bist 4:44
13 Stoppok – Tanz 4:52
14 Carsten Mentzel – Halleluja 5:37
15 Adwoa Hackman – Goodbye 5:48

Vitalij Engbrecht – Das Licht Der Liebe

Vitalij Engbrecht - Das Licht Der Liebe

Vitalij Engbrecht – Das Licht Der Liebe

Lang ist es her. Da kommt dieser Lockenkopf, Teetrinker, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, zu mir in den Gitarrenunterricht und will sich zum Thema Fingerstyle Gitarre weiterbilden, Tommy Emmanuel ist gerade angesagt. Dass der Queen-Fan schon längst eine durchaus amtliche Rockgitarre spielt, hat er mir nicht verraten. Engbrechts Nähe zu Brian Mays Haartracht ist natürlich reiner Zufall, aber so manche musikalische Inspiration schlägt sicher heute noch durch. Einige Zeit später schaut er mal wieder vorbei und präsentiert stolz seine erste CD ‚Bouquet’. Tolle Gitarrenparts, eine feine Visitenkarte mit eigenen Songs. Vor allem habe ich Vitalij immer für seine Power bewundert: zwei Berufe hat er gelernt, den dritten, musikalischen übt er aus. Andere Instrumente sind hinzugekommen, aus dem Gitarristen ist inzwischen ein Allroundmusiker und Arrangeur geworden. Irgendwo auf dem musikalischen Weg kommt Gesang mit russischen Texten verstärkt ins Spiel, langsam gerät die Sache in Bewegung, es wird rund. Die Liebe zur Poesie etwa eines Puschkins muss wohl der Katalysator gewesen sein, gepaart mit der Reife des echten Erlebens. Nun hat Vitalij seine eigene Geschichte zu erzählen, eine klare Vorstellung, wer er ist, wohin er gehört. Selbst wenn man die Texte nicht versteht, lässt sich das deutlich spüren, es tönt ehrlich und authentisch. Dennoch, was bin ich froh über die Übersetzung! Eine kleine Anekdote zum Schluss: bei diesen liebevoll herausgearbeiteten neuen Arrangements schließt sich der Kreis mit den Streichern, denn einst versuchte Vitalij seine ersten musikalischen Schritte auch auf einer Geige, die er sogar heute noch hat.
Ich wünsche eine schöne intensive Zeit mit diesem Silberling und viel Freude beim Lauschen!
Jens Hausmann

Die CD und weitere Infos bekommt man hier: www.vitalijengbrecht.de

The Elephant Sessions – The Elusive Highland Beauty

(Eigenvertrieb)
The ElephantsessionsFünf Musiker gründen 2012 an der Universität in Newcastle das Neo-Trad-Quintett ‚Elephantsessions’. Während der Bassist Seth Tinsley aus Northumberland tatsächlich aus der Gegend stammt, kommen die übrigen Bandmitglieder weitverstreut aus den schottischen Highlands. Die hervorragende Rhythmusgruppe wird komplett durch Greg Barry am Schlagzeug und Mark Bruce an der Gitarre. Der Geiger Euan Smillie und Alasdair Taylor an der Mandoline stehen federführend im virtuos melodischen Mittelpunkt der Fusion-Band. Im Gegensatz zu anderen traditionellen Ensembles haben die beiden sämtliche Stücke der Debüt-CD selbst komponiert. Traditionelle Musik wird in Schottland an Schulen, oder etwa durch die ‚Fèis Movement’ aktiv gefördert, somit haben die jungen Musiker mit Anfang zwanzig bereits beachtliche Routine in diesem Genre. Hinzu kommt die gemeinsame Liebe zu zeitgemäßen Stilistiken. Das führt zu einem progressiven Mix in dem die einfallsreichen Instrumentals mit modern geschmackvollen Grooves und erdigen Basslines gehörig aufgepeppt wird. Das durch Fundraising bei Kickstarter finanzierte Album präsentiert nun die Repertoire-Highlights der Band, die schon bei Festivals wie ‚Belladrum’ und ‚Rockness’ für Aufmerksamkeit sorgten und stolz einen Auftritt als Vorband der Celtic-Fusion Veteranen Peatbog Faeries an der O2 Academy in Newcastle vorweisen können. Für die neun Tracks der CD wurden die einzelnen Tunes zu möglichst abwechslungsreichen Sets zusammengestellt, was Feeling und Tempo anbelangt, für die rhythmische Grundlage muss dazu mit allem gerechnet werden: Hard Rock, Funk, Ska, Techno, also warum nicht noch eine kleine Latin Perkussion Party zwischendurch, wie beim Opener? Die Jungs gehen aufs Ganze, spielen so unglaublich „tight“ zusammen nach vorn, dass es eine wahre Freude ist. Nur so kann man musikalische Grenzen erweitern und seinen eigenen Sound schaffen. Aufgenommen und produziert wurde im Frühjahr von Chris White in den Gran’s House Studios in Lanarkshire. Die Release-Party fand soeben am 30. August im Mad Hatters, Hootenanny in Inverness inklusive Video-Mitschnitt statt. Zu guter Letzt noch ein Nachschlag für die Whisky-Freunde: Gitarrist Mark Bruce ist Gordon Bruces Sohn, der in der Knockdhu Distillery bei Huntly in Aberdeenshire für handgemachte Qualität sorgt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Bleibt nur zu wünschen, dass die Debüt CD auch in hiesigen Gefilden für Live-Präsenz sorgen kann.

Jens Hausmann

www.elephantsessions.com

Waylon Jennings – Analog Pearls

(Stockfisch Records)
Dieses Jahr wäre er 76 geworden, Waylon Jennings der alte Weggefährte von Johnny Cash. Unzufrieden mit dem angepasst kommerziellen Musikbusiness wählten Recken wie Jennings ihren eigenen Weg und die Veröffentlichung von ‚Good Hearted Woman’ im Duett mit Willie Nelson, machte die beiden 1975 quasi über Nacht zu stolzen Outlaws. Aber schon 1964 bannte Floyd Ramsey binnen weniger Stunden Aufnahmen für Waylons Debüt auf 4-Spur, die von keinem geringeren als Herb Alpert produziert wurden. Nun gibt es ein schönes Wiederhören oder neues Entdecken von 12 alten Juwelen. ‚Don’t Think Twice It’s Alright’, ‚Four Strong Winds’. sind auf ‘Analog Pearls Vol.1’ dabei, oder wir finden solche, die es damals so nicht auf Vinyl schafften, wie ‚The Real House Of The Rising Sun’ mit Rumba-Touch. Dieses Pilotprojekt von Günter Pauler beweist: alte analoge Aufnahmen mit hochwertigen Mikros und sauberem Röhrensound können unglaublich klar und transparent klingen, werden sie erstmal liebevoll und sorgfältig remastert, die sprichwörtliche Wärme haben sie ja sowieso! Die neue Reihe heißt Analog Pearls, dies ist die erste Veröffentlichung. Bei dieser ehrlich handgemachten Musik wird klar, was Waylon für ein großartiger Sänger war, wie eine richtig schöne Vintage-Steelstring klingen muss und dass die damalig sparsam cleveren Arrangements und geschmackvollen E-Gitarrenparts absolut zeitlos sind. Hoffentlich gibt es davon bald mehr in Referenz SACD/CD-Audio Qualität!

Jens Hausmann

www.stockfisch-records.de