Andrea Valeri

Andrea Valeri

Andrea Valeri, Musikmesse Frankfurt 2013. Foto: Jens Hausmann

Auf der diesjährigen Frankfurter Musikmesse hatte ich die Gelegenheit den jungen italienischen Fingerstyle Virtuosen und Maton-Endorser Andrea Valeri zu einem kurzen Interview zu treffen.

Hallo Andrea. Danke, dass du etwas Zeit für mich hast, erzähl uns mal wie du zur Gitarre gekommen bist.
Was mich zur Gitarre gebracht hat war eher Zufall. Ich sah jeden Samstag Chuck Norris in Walker Texas Ranger, die Filmmusik war für mich der Grund mit der Gitarre anzufangen. Ich wollte das Thema spielen und das ging nicht auf meinem Spielzeug Klavier. Dann war da noch dieses kleine Holzding mit drei Saiten in der Ecke und ich versuchte es damit. Mir gefiel das Gefühl darauf zu spielen und ich dachte mir, …

…kann ich mehr Saiten haben!
Genau. Ich bekam erstmal ein Nein als Antwort, das hat sich später geändert.

Andrea Valeri

Andrea Valeri, Musikmesse Frankfurt 2013. Foto: Jens Hausmann

Wie alt warst du damals?
Ich war elf und ich erinnere mich, dass ich etwa anderthalb Jahre später schon Konzerte mit meinem Freund Lorenzo spielte, wir gingen in die Schulen und spielten als Duo. Das hat Spaß gemacht. Die Geschichte geht weiter. Ich sagte zu ihm, warum fragen wir nicht einen Bassisten und einen Drummer, ob sie sich anschließen? Tolle Idee, sagte er, aber die müssten wir bezahlen. Da wir uns das nicht leisten konnten, hatte sich das erledigt. Ich hatte also meinen ersten Grund eine Soloband zu werden! Ich versuchte schon mehrere Sachen gleichzeitig zu spielen: Basslinien, Perkussion und mein Freund spielte Rhythmus und sang.

Und später hast Du dann Gitarristen gefunden wie Michael Fix?
Ja und natürlich Tommy Emmanuel und all die anderen, das war ziemlich neu für mich als ich etwa vierzehn war, in Italien ist das nicht die Musik, die man üblicherweise hört. Ich wusste nicht mal was eine Akustikgitarre mit Stahlsaiten ist, ich spielte eine elektrische und eine klassische Gitarre. Ich fand, dass sich meine bisherige Spielweise gut mit der Fingerstyle-Idee kombinieren lässt, um wieder einen Schritt weiterzukommen. Das habe ich dann weiter entwickelt bis ich mit sechzehn anfing zu touren.

So konntest du also die einzelnen Puzzlestücke zu einem Ganzen zusammenfügen.
So ist es und vom Anfang mit sechzehn bis hier bin ich seit sechs Jahren unterwegs. In den Jahren ist viel passiert, ich habe viel Erfahrung gesammelt, Leute kennengelernt, von ihnen gelernt, das auf der Bühne versucht umzusetzen und ich fühlte mich Stück für Stück sicherer und kompletter mit dem was ich tue. Das wichtigste für die junge Spielergeneration ist von anderen zu lernen. Ich mag es nicht, wenn Leute immer nur vergleichen und werten, es geht nicht darum besser als andere zu sein. Sei wer du selbst bist.

Andrea Valeri

Andrea Valeri, Musikmesse Frankfurt 2013. Foto: Jens Hausmann

Das Authentische eben, keiner kann so sein wie du…
Und ich kann nicht so sein wie jemand anders! Ich stelle immer die Musik an erste Stelle. Ich bin nur das Medium, die Musik ist das große Ding, der Protagonist und ich übersetze das für die Leute, die mir zuhören und bleibe hinter der Musik. Wenn mich die Leute nach dem Konzert fragen, wann ich wieder komme, habe ich genau das gut gemacht. Sie lieben meine Stücke und nicht mich persönlich. Keine Sprache ist universeller als Musik, die größte Community. Es ist mir eine Ehre dabei zu sein und ein Poet dieser universalen Sprache zu sein. Das ist alles!

Eine sehr schöne Philosophie! Etwas Ähnliches würde Tommy Emmanuel sagen, aber ich finde es beeindruckend, wenn ein so junger Musiker wie du schon diese Einstellung hat. Deswegen berührt dein Spiel.
Danke, für das Kompliment. Vieles habe ich von Michael Fix gelernt, ich konnte viel mit ihm teilen und er ist immer sehr ehrlich mit seiner Meinung und Gedanken. Wenn ich auf der Bühne stehe, möchte ich den Kontakt zum Publikum, es ist wie eine große Familie für mich. Dann kann ich die Aufmerksamkeit auf meine Welt lenken und die Musik teilen und die Leute auf eine Reise mitnehmen. Was ich an Mark Knopfler schätze und live erlebt habe sind zwei einfache Sachen: die richtigen Töne zur richtigen Zeit. Punkt. Da versuche ich hin zu kommen, ich bin dreiundzwanzig er ist dreiundsechzig, es ist noch ein langer Weg zu lernen, die Gefühle zu vermitteln. Es ist wie ein Film Soundtrack, der die Geschichte des Films erzählt, ich versuche mit der Musik auch eine Geschichte zu erzählen. Ich möchte kein Gitarrist sein, sondern ein Musiker. Dafür muss ich alles geben, auch wenn ich wie heute nur mit zwei Finger spielen kann, weil ich mich gestern verletzt habe. Ich versuche in jedem Moment mein Bestes. Viele junge Leute spielen 12 Stunden am Tag um besser zu werden, aber woher kommt die Inspiration, wenn man nicht lebt und keine Leute trifft. Dann wird nur die Technik besser, aber man hat nichts mitzuteilen. Ich versuche die Welt zu verstehen und zu reflektieren, das lernt man auf Tour.

Andrea Valeri

Andrea Valeri, Musikmesse Frankfurt 2013. Foto: Jens Hausmann

Woher hast du all diese guten Ideen?
Sie sind überall, man muss es nur sehen. Ich brauchte die Meister, um das zu verstehen und umzusetzen, aber die Ideen waren schon vorher da. Es ist die eigene Wahrnehmung, aber ich brauchte Hilfe sie zu lenken. Auf der anderen Seite bin ich auch Perfektionist, aber nicht auf Kosten von Feeling und Emotionen, da nehme ich lieber kleine Fehler in Kauf, nobody is perfect! Darum sind Live-Konzerte für mich die Essenz. Du hörst die menschliche Seite des Künstlers, man baut eine Verbindung auf und hört seine Geschichte und fühlt es! Gerade in Deutschland wird gerne viel verglichen und gewertet, habe ich das Gefühl. Das ist in Australien zum Beispiel ganz anderes, dort schätzt man, dass jeder eine eigene Stimme hat. Ich habe mal gelesen Mark Knopfler ist vielleicht die Nummer 52 in der Weltrangliste oder so, aber live brauchte ich nur zwei Töne von ihm für eine Gänsehaut am ganzen Körper, er rührt Menschen zu Tränen, Freude und macht glücklich und verkauft Millionen von CDs und Konzertkarten. Er spielt nicht einfach nur Sultans of Swing, es ist sein Stück das jeder kennt und hinter dem er zurücktritt. Da möchte ich mal hinkommen, es geht nicht allein um Spieltechnik und Virtuosität.
Music is poetry, music ist emotion, music is about sharing!

Danke für das Gespräch!
Gern geschehen.

Jens Hausmann

Webseite Andrea Valeri  Andrea Valeri spielt Maton Gitarren,  Maton Vertrieb

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