TV 2012: Volker Kukulenz & Trio / Jivecats

2012 war ein gutes Jahr. Am 03. Juli lief im ZDF die Kommissar Stolberg Sendung mit Volker Kukulenz & Trio, für die wir im Herbst 2011 zum Drehtag in Bonn/Bad Godesberg waren. Wir waren quasi als musikalische Statisten im Hintergrund auf der Gartenparty in mehreren Sequenzen zu hören und zu sehen, Volker hatte sogar Text. Leider ist das Video nicht mehr online. Später gab es einen kleinen Nachschlag mit den Jivecats zur Paderborner Swingnight in der WDR Lokalzeit OWL. Den Schnipsel habe ich gerade wiedergefunden, in der Mediathek ist der Beitrag auch schon längst nicht mehr.

Alterierte Skala, was ist das? Beispiel G7 alt

Aus aktuellem Anlass im Unterricht möchte ich hier eine Frage klären, die bei den fortgeschrittenen Jazzgitarre-Schülern ständig für Verwirrung sorgt. Was ist eine alterierte Skala und wo kommt sie her? Man kann es sich leichter machen und fragen, was ist ein alterierter Dominantseptakkord? Normalerweise würden wie bei G7 von den Tönen G-B(H)-D-F ausgehen. Mögliche Alterationen sind immer die verminderte und die übermäßige Quinte, das schließt die reine Quinte D erstmal aus. Dann haben wir noch Alterationen für die None, die taucht ebenfalls vermindert oder übermäßig auf. Vom Akkord her dürfte es jede Kombination von alterierte Quinte und alterierte None sein, selbstverständlich auch einzeln. In der Skale/Tonleiter sind das schon die ganzen Töne, die es für eine alterierte Tonleiter braucht: erstmal nehmen wir D raus: G-B—F, dann kommen die alterierten Quinten hinzu G-B-Db-D#-F und schließlich die Nonen: G-Ab-A#-B-Db-D#-F. Jetzt haben wir uns reichlich enharmonische Verwechslungen eingehandelt, da ich quasi jeden Buchstaben nur einmal verwenden darf, um es schnell auf den Punkt zu bringen:

Das richtige Ergebnis ist: G-Ab-Bb-Cb-Db-Eb-F, das sieht gefährlich aus, gell? Wenn man sich aber merkt, dass es nur von der Muttertonleiter Ab melodisch Moll Ab-Bb-Cb-Db-Eb-F-G-Ab kommt und im siebten Modus steht, also auf der siebten Ton G beginnt, hat man die alterierte Skala schon geknackt. Vor allem braucht man dann keine neuen Fingersätze, praktisch! Am Ende ist es also egal, ob man durch geschickten Umgang mit der melodischen Molltonleiter dahinter kommt, oder über die Erklärung mit den Akkordtönen Zugang findet, ich glaube im echten Leben ist es meist eine Mischung.

Jens Hausmann

Brooke Miller – Familiar

(Stockfish)
Seit Jahrzehnten ist erstaunlich mit welch hoher Güte Singer/Songwriter aus Kanada am Start sind. Brooke Miller gehört gewiss auch in diese Klasse, obwohl sie in unseren Breiten noch nicht so bekannt ist, wie sie es verdient hätte. Fingerstyle Gitarrenfans ist sicher ihr Mann Don Ross geläufig, der sich auch an dieser Produktion dezent bei einigen Songs am Bass und einmal am Piano beteiligt hat. Seit ihrem 12. Lebensjahr ist Brooke musikalisch aktiv und am liebsten mit Band unterwegs, aber diese Scheibe wurde bewusst intimer gehalten. Gut die Hälfte der elf Titel wurde im Northeimer Studio solistisch produziert, so kann die Künstlerin mit dem schwer modellverdächtigen Aussehen ihre Stärken voll entfalten. Miller konnte dabei aus dem Vollen schöpfen, in erster Linie setzt sie auf ewährte Highlights aus ihrem Repertoire. Stimmlich erinnert die Ost-Kanadierin an Sara K. und hat ähnliche Stärken mit umfassender Bandbreite zwischen sanft, weich und energisch, kraftvoll. Aber musikalisch waren sonst vielleicht eher kanadische Kollegen wie Bruce Cockburn oder Joni Mitchell zumindest gitarristisch prägend und natürlich die kanadische Heimat mit all ihrem Charme. Viele Open-Tunings verrät das liebevoll gestaltete Booklet, aber es gibt auch einige Stücke in Standard Stimmung. Der Opener ‚What You Know’ groovt gleich vielversprechend los und überzeugt nicht zuletzt auch durch stimmlich schönen Backgroundgesang. Gleich beim zweiten Stück ‚You Can See Everything’ zeigt Miller noch mehr Individualität und sehr versiertes Gitarrespiel. einen Vorgeschmack dazu gibt es übrigens bei YouTube aus der Greenfield Guitar Werkstatt, dessen Gitarren Brooke spielt. Auf diesem Niveau läuft es weiter, es gibt eine Prise Folkiges, einen Hauch Country, Balladen und immer hervorragendes Songwriting mit reichlich Authenzität. Beim Titelsong-Highlight fällt es schwer sich zu entscheiden, er wird in einer Piano- und einer Gitarrenversion angeboten. Den gelungenen Abschluss findet die CD in sich gekehrt in der wunderschönen Ballade ‚Quiet Night’. Die Produktion wird als Hybrid-SACD in höchster Klangqualität mit zusätzlichem 16bit CD-Audio Layer oder als audiophile 180 g Vinyl-LP angeboten, großartig. Unterm Strich einer der besten Silberlinge, die mir in letzter Zeit auf den Tisch kamen, looks like we have a new Hero!

Jens Hausmann

Brooke Miller bei Amazon: Familiar

Katja Maria Werker – Mitten Im Sturm

(Stockfish)
Viel hat Katja seit  ihrem Debut 2000 mit ‚Contact Myself’ erreicht. Major Produktion, wie ‚Dakota’ bei der EMI markieren den Weg, den sie wohl nicht zuletzt durch Ermutigung von Peter Gabriel einschlug. Gerade nach ‚Dakota’ scheint 2008 ein Wendepunkt gewesen zu sein, darauf folgte 2010 ‚Neuland’ ihre erste deutschsprachige Scheibe. Frau Werker macht zwar ihr eigenes Ding, aber sie nimmt sich gute Tipps zu Herzen. Diesmal war es Stoppok, der ihr dazu riet und auch gleich mit Katja im Duett sang. Nun legt sie mit ‚Mitten Im Sturm’ ihre erste Stockfish Veröffentlichung wieder vorwiegend deutschsprachig vor. Gut so, nicht das die Essenerin mit den englischen Songs bisher irgendetwas falsch gemacht hätte, im Gegenteil: sie füllte damit immerhin drei wunderbare CDs. Aber gerade der neue Silberling zeigt im Kontrast, wie viel authentischer und überzeugender die Poetin mit ihrer leicht heiser, weichen Stimme in ihrer Muttersprache den Nerv trifft. Sprachlich bleibt sie dabei ungekünstelt ganz sie selbst. Charismatisch gibt sie sich wie ihr der Schnabel gewachsen ist, ganz gleich ob es Stücke aus eigener Feder sind, oder ein Gassenhauer wie ‚Über Sieben Brücken musst Du gehen’ quasi im Vorbeigehen intimes Highlight wird. Ja, selbst knapp vor der Schlagergrenze kriegt Katja noch bei ‚Zusammenleben’ die Kurve, so echt und direkt kommt der Gesang. Hinzu kommt gediegenes Songwriting. Da wäre einerseits ein gutes Händchen für eingängige Hooklines ohne sich aufzudrängen. Dann scheinen die Texte intime Einblicke ins Seelenleben zu gewähren, trotzdem bleibt es universell genug, dass jeder eigene Bilder hinein interpretieren und sich selbst wiederfinden kann. Ein schönes Beispiel dazu findet sich in ‚Die Zeit Mit Dir’. Klingt so als wäre die Künstlerin nun ganz bei sich selbst angekommen. Das Ganze ist im typisch akustischen Stockfish Referenz-Sound arrangiert mit Unterstützung von erstklassigen Hausmusikern wie Ian Melrose, mit dem Katja anschließend auf Promo-Tour war. Die E-Gitarre hat sie im Moment an den Nagel gehängt, obwohl die so gut zu ihr passt. Übrigens ist Katja Maria Werker die erste deutsche Singer/Songwriterin bei Stockfish bisher, dort passt sie prima hinein, zumal Sara K. nicht mehr aktiv ist.

Jens Hausmann

Katja Maria Werker bei Amazon: Mitten im Sturm

Gitarrengriffe: Akkorde Lernen Teil 5 Blues in Sexten

Bei dem 2-Seitigen PDF zu Akkordverbindungen Teil 4 waren schon einige für Bluesbegleitungen dabei. Genau da setzt dieser Teil zum Akkorde Lernen an,  hier sind 3 einfache Blues-Progressionen, in denen das Verschieben von Sexten ein zentrales Thema ist. In A oder E ist es vielen vielleicht schon geläufig, aber in G sieht man diesen Trick schon seltener, obwohl es gerade hier eine sehr kraftvoll klingende Begleitung bringen kann mit einem Schuss Acoustic-Rock’n’Roll. Rhythmisch habe ich alles möglichst übersichtlich in Vierteln notiert, aber ich würde es geschuffelt als Swing versuchen mit je einem mit Links gedämpften Aufschlag auf den Zählzeiten 2+ und 4+. Viel Spaß damit!

Jens Hausmann

Blues in A und E in Sexten

Blues in G in Sexten

Gitarrengriffe: Akkorde Lernen Teil 4 Verbindungen

Nach den schwierigen Barrée-Akkorden habe ich hier zum Schluss ein paar Akkord-Verbindungen zusammengestellt. Zum großen Teil sind sie halb so schwer und es sind einige dabei, die man kennen sollte. In der ersten Reihe sind es Standard-Verbindungen, wie man sie heute von Oasis oder Greenday kennt, die wiederum bei den Beatles gut aufgepasst haben. Dann gibt es ein paar Reihen mit Wendungen aus dem Folk oder Singer/Songwriter Bereich, Spielereien mit Sus-Akkorden, Bassdurchgängen, Quartsext-Vorhalten, Blues-Akkord Phrasen, ein paar Ideen zum Verschieben von Akkorden ohne Barrée und die typische spanische Kadenz. Fingert es mal durch und lasst Euch von dem Sammelsurium ein wenig inspirieren.
Viel Spaß

Jens Hausmann

Gitarrengriffe Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur 4

Gitarrengriffe: Akkorde Lernen Teil 3 Barrée

Wir sind wir schon sehr weit gekommen, die 5 Basisakkorde legen tatsächlich bereits den Grundstock, auf dem alles Weitere aufbaut: streng genommen sind unsere 3 Moll-Akkorde schon einfache Ableitungen, indem wir jeweils nur einen Ton verändert haben. Gleiches gilt für die beschriebenen Septakkorde. Einen strategisch wichtigen Septakkord habe ich allerdings noch, in E-Dur oder E-Moll braucht es einen B7. Einen echter B-Dur ohne 7 wäre schon ein Barréegriff! Im Weiteren möchte ich mich in diesem Teil genau diesen berühmt berüchtigten Barrée-Griffen widmen. Barrée-Akkorde sind eigentlich nur verschobene Versionen von den bereits bekannten Basis-Akkorden. Am Anfang geht es dabei entweder um E-Dur und E-Moll, oder um A-Dur und A-Moll. Um höher auf dem Griffbrett Richtung Korpus zu kommen, müssen wir die Leersaiten berücksichtigen, die wir bisher einfach ohne weiteren Aufwand nutzen konnten. Das würde jetzt der erste Finger erledigen und der Rest verschiebt sich jeweils um einen Finger. Wenn ich also bisher ein E-Dur mit den ersten drei Fingern gegriffen habe, muss ich jetzt den 2. Finger für die G-Saite nehmen, den Ringfinger für die A-Saite und der kleine Finger greift die D-Saite. Vielleicht ist das gar nicht so schwer zu verstehen, aber die Praxis wird uns genug Schwierigkeiten bereiten. Deswegen nähern wir uns diesen Griffen in kleinen Schritten. Die meisten Anfängerprobleme entstehen nach dem Motto „Jetzt-hab-ich-ihn-jetzt-würg-ich-ihn. Das genau versuchen wir hier zu vermeiden.

Der erste Schritt ist, die Finger 2, 3 und 4 ein bisschen zu trainieren und geschmeidiger zu machen. Dazu gehen wir zurück auf die ersten 3 Akkorde A-Dur, D-Dur und E-Dur. Diese Griffe werden entsprechend verschoben ohne Zeigefinger geübt. Gleiches probieren wir auch mit E-Moll und A-Moll, wer mag kann natürlich mit weiteren Griffen probieren. Wenn das einigermaßen gelingt, versuchen wir dabei mal mit dem Zeigefinger auf den Sattel, oder noch besser dahinter zu stupsen, lang drüber, schön recken aber ohne Druck und wieder locker lassen. Der nächste Schritt ist, das wir uns um den Zeigefinger isoliert zu kümmern. In einem durchschnittlichen Barréegriff ist er nur für drei Saiten zuständig, bei F-Dur liegt er im ersten Bund und greift die dicke E-Saite im Bass und die beiden hohen Diskant-Saiten, die h-Saite und die e-Saite. Das trainiert man am besten mit einer Wippe: der Finger kümmert sich erst entweder um die Bass-Saite oder um die beiden hohen Saiten, erst später gelingt Beides. Dazu sollte der Ellebogen recht körpernah von Innen kommen, der Zeigefinger liegt etwas seitlich verdreht auf und beim vollständigen Griff kommen dann die anderen drei Finger auch etwas schräg. Wichtig ist, dass der Hals von oben gesehen schräg durch die Hand läuft, das ist die einzige Möglichkeit einen Knick im Handgelenk zu vermeiden! So, mehr kann ich hier im Moment nicht weiterhelfen, in der anhängenden PDF-Datei sind zu den Barréegriffen noch ein paar Beispiele zu sehen, vor allem auch Vereinfachungsvorschläge. Hier noch ein paar wichtige Punkte: Grundsätzlich müssen nicht immer 6 Saiten gleichzeitig gespielt werden, meist reichen drei Akkordtöne plus einen Basston. Das ist schon Luxus und im Falle von D-Dur hatten wir auch nicht mehr. Bei Griffen mit dem Grundton auf der A-Saite, zum Beispiel B-Moll (H-Moll) lohnt es nicht beide Basstöne gleichzeitig zu greifen, lieber einzeln und den Finger entsprechen aus dem Arm heraus umstellen. Gerade dieser Griff wäre gut dafür, die dünne e-Saite mit dem Zeigefinger zu dämpfen und eben nicht zu greifen. Ein Profi kann übrigens jeden beliebigen Barrée-Akkord, würde aber jeden Barrée vermeiden, wenn er kann. Wenn es nicht lohnt oder er würde im beschriebenen F-Dur mit dem ersten Finger nur die drei Saiten gut greifen, die er wirklich braucht. Manche von euch kennen vielleicht noch Chris De Burgh, der war früher bekannt für Songs mit vielen Barrées, aber auch für Rhythmen, bei denen er auf der 2. und 4. Zählzeit 2x pro Takt einen perkussiven Dämpfschlag hatte und dafür einfach die linke Hand locker ließ. Das ist der Grund warum er das lächelnd und mit Leichtigkeit auf Dauer geschafft hat. Versucht immer schön locker zu bleiben, geschmeidig und beweglich, wenn man bei so einem Griff den Arm nicht mehr bewegen kann, ist das zum Beispiel schon verdächtig. Ich hoffe ich konnte mit diesen Ausführungen und Tipps weiter helfen.

Jens Hausmann

PDF-Datei:  Gitarrengriffe Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur 3

Gitarrengriffe: Erste Akkorde Lernen Teil 2

Nachdem wir die ersten Hürden genommen haben, werden die nächsten Akkorde schon etwas leichter von der Hand gehen. Hauptthema dieses Absatzes ist der Wechsel zwischen G-Dur und C-Dur. Dazu vorab eine Kleinigkeit: Gitarristen nummerieren ihre Finger der linken Hand von 1-4 ab Zeigefinger, der Daumen bekommt keine Nummer! Während wir für C-Dur nur eine sinnvolle Möglichkeit mit den ersten drei Fingern haben, wird das für G-Dur schwieriger, hier gibt es zwei Möglichkeiten. Wer mit weniger Spannung in der Hand auskommen will, wählt die erste Version, auf dem PDF-Zettel habe ich es ‚G Vollversion‘ genannt, von hier ist der Wechsel zum C-Dur allerdings sehr umständlich, deswegen greifen viele Gitarristen ohne Zeigefinger mit Mittelfinger, Ringfinger und dem kleinen Finger. Das ist deutlich schwieriger, aber praktisch, daher der Name ‚G praktisch‘. Das Geheimnis liegt mal wieder in der Armstellung, für das schwierigere ‚G praktisch‘ muss der Ellenbogen schon ziemlich weit an den Körper ran. Wenn es immer noch nicht klappt, ist vermutlich die Gitarre an der falschen Stelle, das ist der häufigste Fehler generell. Versuche sie erstens höher zu halten, hier geht es vor allem um den Hals. Da hilft ein Gurt, ein Fußstuhl oder eine Gitarrenstütze, wie ich sie meist verwende. Zweitens schieb den Hals ein wenig weg von dir, ich habe die Gitarre oft in einem schrägen Winkel von ca. 45° zu meinen Schultern, von oben gesehen. So kann man Platz für den Arm schaffen, nicht vergessen, die Finger allein machen es nicht! In den folgenden Darstellungen ist das G bewusst ohne Fingersatz abgebildet, wähle selbst. Bleibe dann erstmal bei deiner Entscheidung, um Verwirrungen zu vermeiden, am Ende kannst du sowieso beide Versionen, keine Sorge.
Wer bis hier tapfer durchgehalten hat kann schon einige erweiterte Akkordverbindungen spielen, Beispiele dazu gibt es auf der PDF-Datei. Das reicht schon für eine Menge toller Songs. Übrigens habe ich da einen neuen Akkord versteckt: D7 wirkt zwar kompliziert, aber lässt sich von Am oder C-Dur prima erreichen, weil der erste Finger liegen bleiben kann. Versuch es selbst. Was ist das eigentlich für ein Akkord, wenn eine ‚7’ dabei steht? Das nennt man Dominantseptakkord, es ist ein Akkord mit einem zusätzlichen Ton, dem siebten Ton der Tonleiter. Wenn dich das verunsichert, kannst du grundsätzlich den „normalen“ Akkord spielen, die Töne stimmen immer noch, du hast nur einen weniger, darum klingt es vielleicht nicht ganz so interessant, aber es funktioniert trotzdem problemlos.
Jetzt haben wir noch eine Reihe mit Moll-Akkorden. Dazu brauchen wir den Akkord D-Moll: viele greifen den mit dem Ringfinger auf der 2. Saite, ich empfehle den kleinen Finger, der fällt fast von selbst dahin und später kann man so mit dem Ringfinger dann noch andere Töne spielen, praktisch. Am, Dm, Am, Em sind die originalen Akkorde von Bob Marleys ‚Roots, Rock, Reggae’. Kaum tauscht man in der Akkordfolge das E-Moll gegen E-Dur aus, klingt es gleich europäischer, faszinierend, nicht?
Zu guter Letzt habe ich noch die zwei Dominantseptakkorde A7 und E7 auf dem verbleibenden Platz untergebracht, vielleicht klingen die für dich ein bisschen schief, das ist Absicht, serienmäßig sozusagen, mit solchen Akkorden schafft man Spannung, die jeweilige Auflösung steht direkt dahinter. Für A7 gibt es zwei Fingersätze, oft wird er auch mit dem Mittelfinger und Ringfinger gegriffen, aber für den Wechsel zum D-Dur ist es mit den ersten zwei Fingern leichter. So, jetzt  kannst du dir mal auf die Schulter klopfen, wer bis hier gekommen ist, kann schon alle 5 Basisakkorde in Dur, die 3 Baisakkorde in Moll und obendrein 3 Septakkorde. Damit kann man eine Menge Lieder aus einem durchschnittlichen Songbuch versuchen, ohne sich mit dem Finger in die Augen zu stechen…

Jens Hausmann

PDF-Datei: Gitarrengriffe Erste Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur 2

Gitarrengriffe: Erste Akkorde Lernen Teil 1

Hier werden die ersten Akkorde geübt. Wer Gitarrengriffe lernen will, um mit der Gitarre Songs und Lieder zu begleiten, kann hier online ein paar Tipps bekommen.

Diese Erklärungen sind allerdings als Ergänzung zum Gitarrenunterricht gedacht und können nur einige Aspekte erklären, veranschaulichen oder wiederholen. Ein paar Artikel ersetzen auf keinen Fall echten Gitarrenunterricht, sind aber manchen vielleicht schon eine kleine Hilfe.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gitarrengriff und einem Akkord? Zugegeben, für unsere ersten Versuche ist der Unterschied noch nicht so wichtig, aber ein Gitarrengriff ist etwas sehr gitarristisches, die Art wie ich einen bestimmten Akkord greife. Ein Akkord könnte zum Beispiel ein C-Dur Akkord sein. Das bedeutet, dass er aus den Einzeltönen C, E und G besteht, sagt aber noch nichts über deren Reihenfolge aus, oder ob eventuell manche Töne mehrmals vorkommen. In einem typischen Gitarrengriff ist das häufig der Fall, obendrein gibt es grundsätzlich mehrere Arten einen Akkord zu greifen….

Wir fangen an mit A-Dur und D-Dur im Wechsel. Der nächste Schritt wäre A-Dur und E-Dur, das reicht jeweils schon für ‚Rock My Soul’, ‚He’s Got The Whole World’ oder ‚Tom Dooley’. Anschließend schaffen wir schon alle drei zu wechseln. Wichtig ist dabei, dass wir so wenig wie möglich drücken und die Finger jeweils nah an die Bundstäbe setzten, Präzision ist das Stichwort, dabei hilft die Armsteuerung. Die Finger haben nur kleine Bewegungen und der Arm dreht sich aus dem Schwerpunkt (im Unterarm ganz nah am Ellenbogen). Bei A-Dur haben wir eine Mittelposition, die Handfläche und Knöchel der Hand haben etwa einen 45° Winkel zum Gitarrenhals. Bei D-Dur geht der Ellenbogen raus vom Körper weg und die Handfläche tendiert fast zu 90°, bei E-Dur geht der Ellenbogen wieder rein, der Unterarm läuft schräg zum Hals, die Handfläche ist fast parallel zum Gitarrenhals. Möglich langsam üben und die neue Position in einer Bewegung versuchen zu finden. Am Anfang ist es empfehlenswert nur zu Pendeln, d.h. wir gehen immer zurück zum A-Dur und müssen nur von dort aus jeweils die anderen beiden Griffe finden. Der direkte Wechsel von D-Dur nach E-Dur kommt erst später. Die Akkordreihenfolge in der ersten Zeile der PDF-Datei passt übrigens schon zu ‚The Lion Sleeps Tonight’.

In der zweiten Zeile haben wir die Kadenz (Akkordreihenfolge) in D-Dur, das ist eine neue Tonart, vorher waren wir in A-Dur. Für die Akkorde in D-Dur brauchen wir einen neuen Griff, der Akkord heißt G-Dur und wir nehmen erst mal eine vereinfachte Version mit nur einem Finger. Versuche hier selbst eine gute Position für Arm- und Handstellung zu finden. Wir brauchen ihn am Anfang nur im direkten Wechsel zu D-Dur, den Wechsel zwischen A-Dur und D-Dur haben wir ja schon geübt, von daher sollte die Zeile keine weiteren Probleme bereiten.

Neben den bisher gelernten Dur-Akkorden gibt es auch welche, die in Moll stehen. Wie das theoretisch zusammenhängt klären wir später, hier nur so viel: Man darf sie auf keinen Fall verwechseln. Das ist nicht ganz leicht, weil Beides häufig in ein und demselben Song auftaucht. Im folgenden Beispiel kommt hinzu, dass sie fast gleich aussehen. Wir nehmen unsere Position für E-Dur und greifen von dort aus den neuen Akkord A-Moll (Kurzform Am), indem wir mit allen Fingern eine Saite tiefer greifen (Richtung Fußboden). Das machen wir aus dem Arm. Wir lassen ihn einfach ein kleines Stück fallen, nach dem wir die Finger lockern. Zurück müssen wir den Arm wider anheben, achte drauf, dass das Handgelenk dabei möglichst wenig gewölbt und auf keinen Fall geknickt wird. Die Bewegung soll wirklich aus dem Arm kommen und nicht aus Handgelenk! Mit diesen beiden Griffen kann man Songs wie ‚Joshua Fit The Battle of Jericho’ spielen. Für Em brauchen wir beim E-Dur nur den Zeigefinger wegzunehmen, dürfen aber nicht im Wechsel mit Am durcheinander kommen. Wenn das abwechselnd in halben Noten gelingt reicht das bereits für ‚Hejo, spann den Wagen an’. Glückwunsch, das waren schon die ersten Schritte!

Jens Hausmann

PDF-Datei:

Gitarrengriffe Erste Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur

Rock My Soul, He’s Got THe Whole World in A und in D

Tom Dooley in D und in G

Joshua fit the Battle, Drunken Sailor, Hejo

Ralf Illenberger – Red Rock Journeys

(Stockfish)
Seit den legendären Zeiten mit Martin Kolbe zählt Ralf Illenberger klar zu den Ikonen der akustischen Gitarrenszene. Zwischen Folk-Jazz Fusion und New Age rechnet man mit perlendem Perfektionismus einerseits und verbindet den Klangmaler vor allem auch mit sphärisch verträumten Stücken, Schwerelosigkeit und einem Schuss Melancholie. Vor diesem Hintergrund geht der Opener ‚Frogs’ erfrischend fröhlich beschwingt und kernig mit einem Touch von ‚Paint It Black’ los, ein gelungener Einstieg. Diese entspannte Fingerpicking-Atmosphäre wird später bei ‚Walk In The Park’ in DADGAD wieder aufgegriffen. Klanglich reiht sich die Produktion nahtlos in die Stockfish Referenzklasse ein. Aber dennoch, es wirkt distanzierter, weniger direkt, ja vielleicht einen Hauch artifizieller, Illenberger eben. Hier hatte der Schwabe Gelegenheit sich absolut treu zu bleiben. Der Klangzauberer überlässt nichts dem Zufall, verwobene Stimmen und deren schwebende Magie leben von der absoluten Kontrolle jeder Phrase, vom Nachklang jedes einzelnen Tones und einem beeindruckend präzisen Timing. Die Ideen zu den malerischen Kompositionen sind geprägt durch den ‚Roten Felsen’ von Sedona in Arizona, hier lebt und arbeitet der Protagonist. Die Aufnahmen entstanden indes im heimischen Nordheim, bei einigen Stücken hilft der Bassist Sandro Gulino feinfühlig und geschmackvoll etwas vom südlichen Flair ins norddeutsche Studio zu retten, eine kongeniale Kombination. Ansonsten darf natürlich das Illenberger-typische Echo/Delay nicht fehlen, in den Liner-Notes sind neben den offenen Stimmungen die Delay-Zeiten angegeben, bei ‚Light Wave’ mutet das im Zusammenspiel mit dem Bassisten wie eine Zeitreise in die Anfangstage an, ein weiterer Höhepunkt dieser Art ist ‚Joy’, Ralfs „Ode an die Freude“. Die mysteriös introvertierte Facette wird trefflich bedient bei ‚The Veil’. Illenberger hat sich weiter entwickelt und ist dennoch im besten Sinne der Alte geblieben. Bei ihm zählt in hohem Maße, wie er spielt, aber er bietet auch echte kompositorische Highlights, wie das von Ravel und Debussy inspirierte ‚Thinking Of You’ oder die drei Schlussstücke der CD, mit denen er noch mal zur Höchstform aufläuft. Der emotionalste Moment dabei ist ‚Ballad, seine Lieblingsballade. Obwohl sich auch Fingerstyle-Puristen hier eine Scheibe abschneiden könnten, werden vor allem seine Fans die CD lieben, ein Leckerbissen für Klangästheten. Kleiner Tipp: Zeit nehmen, mehrmals hören und einwirken lassen. Dann kommt der Genuss von selbst.

Jens Hausmann

 Ralf Illenberger bei Amazon: Red Rock Journeys