Autumn Leaves / Fly Me To The Moon / Improvisation

Harmonische Analyse und Improvisation
Autumn Leaves: Zwei tonalen Zentren
Bezieht man sich bei Autumn Leaves auf die einfachere Version in Em, wie sie zum Beispiel im alten „Realbook“ steht hat man es mit den folgenden zwei tonalen Zentren zu tun.
Eine Kadenz in G-Dur: | Am7 | D7 | Gmaj7 | Cmaj7 | (2-5-1-4)
und eine in E-Moll: | F#m7b5 | B7b9 | Em7 | (2-5-1 in Moll)
Für die G-Dur Kadenz finden wir alle Akkordtöne in der G-Dur-Tonleiter und können die beim Improvisieren auch die ganze Zeit verwenden. Wenn man dabei die Akkordtöne des jeweiligen Akkordes im Auge behält, der gerade dran ist reicht das schon völlig aus. Es ist in diesem Kontext nicht unbedingt erforderlich sich Gedanken über Akkordskalen/Modi zu machen, trotzdem liste ich sie noch mal auf: mit den G-Dur Tönen spielt man sie automatisch, im Einzelnen wären das: A-Dorisch, D-Mixolydisch, G-ionisch, C-lydisch, E-Aeolisch, F#-Lokrisch und B-phrygisch, diese letzte Tonleiter kommt aber bei Autumn Leaves nicht vor, denn wir haben an dessen Stelle den Dominantseptakkord B7b9 und damit kommen wir schon zur Moll-Kadenz.

Für die E-Moll-Kadenz brauchen wir statt D das D# als Dominant-Terz für B7b9. Praktisch wäre jetzt eine E-Moll Tonleiter mit D# statt D, oder? Kein Problem: die nennt man E-Harmonisch Moll, weil sie zu den Akkorden (Harmonien) passt. Bezogen auf die fünfte Stufe B nennt man sie dann Harmonisch-Moll 5, oder B-Mixolydischb9b13, was etwas kompliziert klingt. Aber keine Sorge, es geht immer noch um die alte E-Moll-Tonleiter, bei der nur ein Ton verändert wird! Diese Tonleiter ist perfekt, solange wir gerade bei E7b9 sind. Über F#m7b5 spielt man entweder Lokrisch (das sind die G-Dur Töne von F# aus) oder auch hier diese neue Tonleiter mit dem D#, das könnte dann Lokrisch mit großer Sexte heißen, aber es bleibt bei den die gleichen Tönen.

Fly Me To The Moon
Würde man in derselben Tonart „Fly Me To The Moon“ spielen, bräuchte man nur einen weiteren Akkord, eine Zwischendominante. Das E7 hätte in diesem Kontext Dominantfunktion zu Am. Bei den G-Dur Tönen über Am7 braucht man auch hier nur einen einzigen neuen Ton, das G#. Diese Tonleiter nennt man A-Melodisch Moll, als Akkordskala über E7 ist das ein E-Mixolydisch b13.

Fazit:
Wir kämen also insgesamt auf drei Tonleitern:
G-Dur/E-Moll Tonleiter: G A B C D E F# G (E F# G A B C D )
E-Harmonisch Moll: E F# G A B C D# E
A-Melodisch Moll: A B C D E F# G# A
Übrigens: Von A-(Natürlich) Moll aus gesehen (A B C D E F G A) gäbe es hier zwei Unterschiede das F# und das G#. Bei A-Dorisch (G-Dur Töne) ist das F# schon dabei, daher müssen wir nur einen neuen Ton berücksichtigen.

Jens Hausmann

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