Helm Van Hahm

Helm van Hahm, Foto: Heinz-Hermann Dölvers

Helm van Hahm, Foto: Heinz-Hermann Dölvers

Der aus Paderborn stammende Gitarrist ist vielen bekannt durch das Duo Helm & Heik mit dem er fünfzehn Jahre unterwegs war und einige Film Guitar Show CDs veröffentlicht hat. Nach dem klassischen Studium kann der Wahl-Münsteraner für sein Solo Fingerstyle Projekt aus dem Vollen schöpfen: ein grooviges Repertoire von Eigenkompositionen inklusive Melodien mit Ohrwurmqualitäten zwischen Folk, Rock, Klassik und Jazz. Live überzeugt der Stahlsaitengitarrist obendrein durch charmanten Humor mit dem er das Publikum an die Hand nimmt und starke Bühnenpräsenz und damit ist hier nicht seine beachtliche Körpergröße gemeint. Zur 2011 erschienen CD ‚La Isla’ hat er vor einiger Zeit einen Band mit Noten und Tabulaturen bei Acoustic Music Books mit dem markigen Untertitel: ‚13 Unspielbare Stücke Für Holzgitarre’ veröffentlicht, ein schöner Anlass für ein kleines Interview.

Bewundernswert, zu der exquisiten Fingerstyle CD gibt es nun auch eine schicke Notenausgabe, alles ist haargenau nachvollziehbar. Hattest du schon vorher Deine Musik notiert?
Etwa die Hälfte hatte ich schon von Hand aufgeschrieben, aber das war nur ein kleiner Vorteil. Eine druckreife Notation am Computer ist dann doch eine ganz andere Sache mit großem Aufwand.

Hattest du das dann gleich beim Komponieren notiert, um nichts zu vergessen?
Meist schreibe ich erst sehr spät etwas auf, wenn das Stück schon lange fertig ist. Abgesehen von Notizen, z.B. lassen sich kontrapunktische Sachen leichter einüben, wenn man sie vor Augen hat.

Erzähl uns mehr von deiner Kompositionsweise, wie kommst Du auf diese abgefahrenen Ideen beim Komponieren, z.B. bei ‚The stoned Hobbit’? So ein Stück fließt ja wahrscheinlich nicht von selbst und will erarbeitet werden.
Tja, wie komme ich auf Ideen, erstmal spielen da die völlig verschiedenen musikalischen Einflüsse, die ich im Laufe von über 30 Jahren aufgesogen habe sicherlich rein. Beim Hobbit blieb ich am ersten Motiv mit den schrägen Intervallen hängen und habe das weiterentwickelt. So wird eine musikalische Zelle zu einem Puzzleteil, wie in einer klassischen Komposition. Auf die Art fange ich wohl meist mit einem kleinen Teil an, um den auszuarbeiten: vielleicht ein Motiv, ein längeres Stück, oder eine Basslinie, je nachdem. Das passiert eher unbewusst, ich analysiere das als Komponist nicht selbst.

Eine Analyse ist nicht nötig, aber jeder hat Taktiken, mit denen er gut weiterkommt. Bei mir wäre es eher andersrum, dass ich erst eine grobe Skizze hätte, etwa mit einer Akkordfolge oder Melodie anfange und dann Details ausarbeite, statt mit kleinen Teilen anzufangen.
Ja stimmt, so kann man das sehen. Bei ‚St.Hippolyte’ etwa geht der Basslauf die ganze Zeit durch, während verschiedene Motive und Variationen hinzukommen. Das ist andererseits dann auch ein Kompositionsprinzip des Kontrapunkts, so auch beim ‚Sonnentanz’ und stellenweise beim ‚New Year Swing’, das mache ich gern, wäre aber ohne klassisches Studium vielleicht nicht so sehr in diese Richtung gegangen. Wobei es als Fingerpicker in der Jugend schon bei Angie mit solchen Elementen im Kleinen anfing, in der Zeit spielte ich auch Santa Cruz von David Qualey, ohne diesen Einfluss wäre wahrscheinlich der Sonnentanz nicht so entstanden.

Soviel zu Handwerk und Disziplin, woher kommt dann die Inspiration?
Die muss erstmal da sein, würde ich mich einfach hinsetzen und mir vornehmen etwas zu schreiben, würde das nicht funktionieren. Es kommt meistens dann, wenn ich nicht dran denke. Ich bin dann vielleicht in einer bestimmten Stimmung, auf Reisen, im anderen Land, oder es gibt große Veränderungen und wichtige Entwicklungen im Leben, die mich beschäftigen. Ich brauche dafür unbedingt frischen neuen Input.

Aber Du verarbeitest nicht konkret eine Situation, es fließt eher intuitiv ein?
Grundsätzlich schon, jedoch wäre ‚Acromegalic Land’ ein Beispiel für die innere Auseinandersetzung mit der gesamten Lebenssituation nach einer einschneidenden Krankheitsdiagnose.

Helm van Hahm - Foto: Thomas-Rathay

Helm van Hahm – Foto: Thomas-Rathay

Danke, ich verstehe, so viel dazu. Magst du kurz deine anderen Projekte vorstellen?
Das Duo Helm & Heik gab es bis 2009, inzwischen habe ich ein schönes Krimiprogramm mit dem Schriftsteller Kai Engelke zusammen das heißt: ‚Musik Liegt In Der Gruft’. Also Lesungen mit Musik, dabei sind es oft auch umarrangierte Stücke vom alten Filmmusik Duo. Obwohl ich von Kai erst drauf gestoßen werden musste und anfänglich wenig Lust dazu hatte, macht das jetzt richtig Spaß. Manchmal brauche ich dazu auch kleine, japanische Helfern als Duopartnerersatz. Das alte Märchenprogramm mit Everhard Drees gibt es auch noch. Das kann ich oft mit meiner eigener eigenen Musik umrahmen, die dadurch einfach nur in einen anderen Kontext gesetzt wird.

Gut. Deine extra großen Gitarren machen natürlich neugierig.
Beide Stahlsaitenmodelle mit Cutaway sind von Albert Müller. Etwa vier Jahre nach dem Studium wollte ich 2000 wieder Stahlsaiten spielen. Es fing an mit der S5, bei der Bestellung ging ich von meiner Imai Konzertgitarre mit 60 mm Sattelbreite und langer Mensur aus. Die S5 ist extra groß mit Sattelbreite 56 cm, Palisanderkorpus mit Sitkafichte und hatte eine 66er Mensur. Später kam die S3 hinzu mit 65er Mensur dazu. Die S5 wurde jetzt gerade erst von Ernie Rissmann auf 65 cm umgerüstet und ist wieder meine Hauptgitarre, nachdem ich sonst meist die S3 spielte. Für Stahlsaiten ist die Saitenspannung bei 66 cm einfach zu hoch, damit kam ich nicht zurecht.

Wie sieht es mit der technischen Seite und Verstärkung aus?
Beide Gitarren haben ein AER Ak-15 System verstärkt wird über den Schertler Unico. Im Effektboard ist die einfache Boss Loopstation, als Hallgerät der Room-Mate von T-Rex und der Octaver OC-3. Ein cleveres Teil, es oktaviert nur bis zu einem bestimmten Ton, so kann man z.B. das E auf der A-Saite einstellen. Das Wah-Pedal ist inspiriert von Wishbone Ash. Es ist ein Cry Baby Wah mit original Muddy Manninen Modifikation, die ich mir machen ließ. Für mich das beste Wah der Welt, es klingt, als ob man ein Katze am Schwanz zieht. Das brauche ich sogar für die akustische Gitarre. Alle Effekte nutze ich allerdings nur in Maßen 1-2 Mal pro Konzert. Die E-Gitarre ist eine ESP Strat von 1990 ohne Tremolo, das ist ja ansich schon ein Statement, geaut zu einer Zeit, in der jeder ein Tromolo extensiv nutzte. Sie hatt eine Sattelbreite von 51mm, ist nichts dolles aber somit schön groß. Im Soloprogramm nutze ich sie über eine vorbereiteten Gitarrenbegleitung aus der Loopstation, eine schöne Möglichkeit alleine E-Gitarre spielen zu können, aber ich bin kein Loop-Akrobat mit Beats und Steptanz.

Vielen Danke für das Gespräch!

Jens Hausmann

www.helmvanhahm.com

Paul O’Brian – Long May You Sing

Paul O'Brian

Musikmesse Frankfurt 2013 Foto: Jens Hausmann

Als der Engländer mit irischen Wurzeln in den Nordwesten Kanadas übersiedelte wollte er sich schon aus dem aktiven Musikbusiness zurückziehen und lieber als Lehrer arbeiten. Es kam anders, denn daraus wurde ein Neuanfang: es fehlte nur noch eine denkwürdige Fahrt in den Sonnenuntergang, um die eigentliche Bestimmung zu finden und die musikalische Karriere sollte erst richtig losgehen. In England waren es noch vornehmlich Cover-Songs und Pub-Gigs. Aber Kanada inspirierte ihn nun endlich dazu ein echter Singer/Songwriter mit eigenem Material zu werden. Mit der aktuellen CD widmet Paul O’Brian seiner Wahlheimat ein würdiges Tribut. Der Kreis schließt sich hier zwar wieder mit Cover-Songs, aber unter ganz anderen Vorzeichen, oder mit den Worten des Künstlers: „My final thank-you is to Canada.“

Ich durfte schon einige Male über Paul O’Brian für Akustik Gitarre schreiben, so auch zur aktuellen CD ‚Long May You Sing’ (demnächst in AG &/13) hier folgt quasi als Nachschlag noch ein kleines Interview zur aktuellen Tour.

Hallo Paul, danke dass du dir hier in Frankfurt auf der Musikmesse die Zeit nimmst. Erzähl uns etwas über die neue CD und aktuelle Tour.
Gern, das Album heißt ‚Long May You Sing’, benannt nach Neil Youngs Song, den er über sein Auto schrieb. Die Tour dazu geht am 15. September los, wir freuen uns schon sehr drauf.

Interessant! Mit so einer Auto Geschichte kann man sich ja prima identifizieren.
Genau, jeder hatte mal so ein Auto. Die CD konnte ich mit Don Ross aufnehmen, damit erfüllte sich ein Traum. Ich war tief beeindruckt, als ich ihn das erste Mal in Kanada hörte, zehn Jahre später sitze ich nun selbst mit ihm im Studio, unglaublich! Don spielte auch eins seiner eigenen Stücke (Brooke’s Waltz), ein Solo-Gitarrenstück für Brooke. Ein weiteres Instrumental stammt vom Fiddle-Spieler Oliver Schroer (A Song For All Seasons) und dann gibt es noch eins von mir (Silvia’s River). Der Rest sind kanadische Songs. Manche Favoriten sind so bekannt, dass ich sie noch aus Zeiten kenne, als ich in England und Irland aufwuchs, andere kennt man eher weniger.

Du hast die Stücke teilweise geändert, bei ‘Big Yellow Taxi’ ist der Chorus länger, oder?
Gut möglich, es ist immer die Frage der Balance, möglichst einen eigenen Weg zu finden aber andererseits dem Stück treu zu bleiben. Wenn ich Songs lerne, höre ich sie vorher nur ein – zwei Mal, und mache dann sicher auch Fehler, aber mit etwas Glück bringt das einen kleinen Unterschied und hält mich vom kopieren ab, was ich ohnehin nicht könnte und selbst wenn: auch eine perfekte Kopie wäre völlig uninteressant. Man muss eine andere Richtung finden!

So gehst du mit den Stücken um, als wären sie von dir?
Im Grunde ja. An dem Joni Mitchell Song bin ich schon seit Jahren und ihr 70. Geburtstag war auch der Anlass für das ganze Projekt. Es macht natürlich einen Unterschied wenn man als Mann etwas auswählt, was im Original von einer Frau gesungen wurde. Vermutlich bekäme ich einen Schrecken, wenn ich mir das Original jetzt wieder anhören würde, aber solange ich mit meiner Version niemanden störe oder großen Mist baue ist es wohl in Ordnung. Don gab mir bei den Aufnahmen immer einen guten Referenzpunkt. Er kennt das Material In- Auswendig und stupste mich hier und da zu recht, wenn ich zu sehr von der Melodie abwich. Wir haben es unter uns ausgemacht, es lässt sich ganz hervorragend mit Don arbeiten und macht Riesenspaß. Die Songs sind so stark, gutes Material verlangt eine gute Performance, da darf nichts anbrennen.

Paul O'Brian

Musikmesse Frankfurt 2013

Kannst du noch konkreter auf einzelne Stücke eingehen, zum Beispiel das Tuning bei ‘Big Yellow Taxi’?
Oh, das ist einfach in Standard-Stimmung mit einem E-Dur Akkord in der V. und VII. Lage. Also A über E and B über A und in der XII Lage als Oktave. Mit den offenen Saiten klingt das wie ein Open Tuning. Ich finde es wichtig, am besten gleich mit anderen Tonarten oder Tunings anzufangen, um von vornherein einen Unterschied zu bekommen. Aber bei ‘Hallelujah’ habe ich mich zurück gehalten, ganz simpel, bei so einem perfekten, ikonischem Song, muss man sehr vorsichtig sein. Am Ende ist es dann ein Mix aus einem eigenem Weg und Kopieren. Bei Bruce Cockburns ‘ Pacing the Cage’ wusste Don als alter Cockburn Fan, viel genauer wie es geht, ganz so konnte ich es nicht, als musten wir einen Kompromiss finden. Mittendrin haben wir ‘Creation Dream’ von Cockburn als Instrumental eingebaut. Manche Songs kannte ich nicht mal im Original, sondern von anderen Sängern. ‘Sonny’s Dream’ von Ron Hynes kennt man in Irland von Christy Moore und glaubt es wäre von ihm. Ron lebt aber in Neufundland und dort ist es so etwas wie eine Hymne. Christy hat sogar den Text an irische Verhältnisse angepasst und an seiner Version habe ich mich orientiert. Also ist es absolut keine puristische Scheibe geworden, sondern sie reflektiert, wie die Songs zu mir gekommen sind.

Hast du auch Glen Hansards ‘Falling Slowly’ aufgenommen, wie du es heute gespielt hast?
Nein, das ist nicht auf dem Album. Ich singe das gern mit meinen Kindern, mit meiner Tochter im Duo. Weil die BSG Gitarren in Tschechien gebaut werden, fand ich es gerade passend, denn der Song ist durch Marieta ja auch zur Hälfte tschechisch. Auf der CD ist auch ‚Jasper’, ein Song von Aidan Knight, den auch kaum jemand kennt. Er ist ein großartiger Singer/Songwriter. Auch von Sarah McLauchlan ist etwas dabei und von Stan Rodgers ein quintessentieller kanadischer Songwriter. ‘If You Could Read My Mind’ von Gordon Lightfoot durfte nicht fehlen und eine versteckte Version von Hallelujah, aber mehr wird nicht verraten.

Und das gesamte Album ist von euch beiden allein eingespielt?
Oh, nein, es ist im typischen Stockfisch Stil: Gunter bringt seine Leute ein, obwohl Don auch Bass gespielt hat. Stockfisch ist für bestimmte Sachen bekannt, eine davon ist Hans-Jörg Maucksch am Fretless Bass. Wenn man dort produziert, soll das so sein und wer wäre ich wenn ich das ändern wollte? Ich bin froh und dankbar über die Gelegenheit mit einer Legende wie Gunter Pauler arbeiten zu dürfen. Ich mache meinen Part, suche das Material aus und arrangiere die Songs. Dann spiele ich die Gitarren ein, in diesem Fall mit Don. Gunter fragt mich nach weiteren Wünschen und ich sage vielleicht, hier hätte ich gern eine Dobro, da ein paar Backvocals. Meine Vorschläge werden nicht unbedingt alle umgesetzt, aber er schreibt alles auf den Tracksheet und behält es im Hinterkopf. und was  geht macht er es möglich. Anders kann die Zusammenarbeit auf die Distanz nach Kanada nicht gehen und was den Mix angeht, macht er es sowieso besser als ich je könnte. So habe ich mit Don die Gitarren live und ohne Click eingespielt, Don hat dann hier und da noch eine Baritongitarre, Bass und seine deutsche Frame mit Effekten eingespielt und unsere Studioarbeit war beendet.

Verrate uns zum Schluss noch ein paar Details zur Tour ab September.
Klar, wir spielen im Trio mit Lars Hansen an der Gitarre und Heinz Lichius der Bassist und Schlagzeuger. Wir werden mit Gitarre, Bass und Perkussion viel Variation reinbringen können, eine tolle Gelegenheit und Herausforderung, denn ich möchte es gern möglichst interessant machen. Die Tour geht am 15. September los und läuft etwa vier Wochen. Natürlich geht es primär um die Songs vom aktuellen Album, es wird sicher aufregend!

Ich freue mich schon drauf, dich auf Tour zu sehen, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, Paul!
Es war mir ein Vergnügen, danke!
Webseite von Paul O’Brian Paul O’Brian spielt Rozawood, BSG Gitarren und AER Amps

Paul O’Brian bei Amazon: Long May You Sing
Jens Hausmann

David Lee Howard

david lee howard openstrings 2008

david lee howard openstrings 2008

Auf die Frage, ob er seine Musik beschreiben kann sagt er spontan:
„Es klingt, als wenn Carlos Santana mit Pink Floyd jammt und David Bowie die Texte dazu schreibt und singt!“
Gitarristen kennen David Lee Howard mittlerweile vor allem durch viele, viele Musikmessen. Nicht nur in Frankfurt ist der Amerikaner mit dem hessischen Akzent stets zur Stelle, wenn es um die Vorführung von Höfner Akustikgitarren geht. Dennoch gehört der Singer/Songwriter und 12-string Gitarrist hierzulande immer noch zu der unterschätzten Geheimtipp-Fraktion, obwohl der quirlige Musiker schon nahezu seit Ewigkeiten unterwegs ist und reichlich Veröffentlichungen vorlegen kann. Ich traf ihn zum Interview auf der Frankfurter Musikmesse 2013. Anlass war seine neue CD ‚Charlatan’, die er live mit seiner Band ‚The Fabolous Volcanos‘ einspielte. Worauf sich wohlmöglich am Ende der Name der CD bezieht wird dem Leser im Laufe des Interviews klar, oder spätestens beim Hören…

David Lee Howard Musikmesse 2013

David Lee Howard Musikmesse 2013

Erzähl mal, wie kamst du vor einem halben Jahrhundert zur Gitarre?
Oh je, das passt tatsächlich in etwa. Wie ich anfing? Ich wollte natürlich ein Rockstar werden und stand auf britischen Rock. Zu der Zeit lebte ich in Europa, da mein Vater beim Militär war. Direkt hier in Frankfurt spielte ich in einer deutschen Band damals in den Sechzigern. In den Siebzigern ging ich dann in die Vereinigten Staaten, nach Colorado, New Orleans und so, bis ich mich in Seattle niederließ. Dort gab es damals einen Musik-Boom und ich spielte 2-3 Jahre lang in verschiedenen Bands, bevor ich mein Solo-Projekt startete. In den Achtzigern spielte ich an die 5-6 Gigs pro Woche, jeweils 3-4 Stunden. Als sich aber das Business veränderte, fing ich an in Europa zu touren. Touren in Europa bedeutet: eigenes Material, weg von den Coversongs, inzwischen mache ich das ausschließlich. Daheim spiele ich im gesamten Nordwesten und den Pazifik runter, aber vorwiegend im Großraum Seattle.
Und du spielst ausschließlich 12-saitige Gitarren, stimmt’s?
Ja, mir wurde klar, dass sich meine 6-saitige Yamaha nicht so recht durchsetzen konnte, also versuchte ich es mit 12 Saiten. Ich liebe dieses orchestrale Feeling, die Bässe die Höhen und die glockigen Obertöne, wie bei einer Harfe. Seit ich 1976 damit anfing spiele ich ausschließlich 12-Saiter, das ist jetzt mein Orchester und ich habe alle Sounds, die ich brauche. Ich stimme sie einen Ganzton tiefer, damit habe ich mehr warme Bässe und eine leichtere Bespielbarkeit. Akustisch ist die Höfner nicht so gut wie elektrisch. Verstärkt hat sie mit ihrem Shadow Pickup ein ganz anderes Spektrum, genau richtig für den Einsatz in der Band, auch mit Effektgeräten. Nun bin ich in guter Gesellschaft, Jimi Hendrix kam auch aus Seattle und spielte eine 12-String im Fernsehen bei ‘I hear that train a-coming’ und Dave Mason spielte eine 12-String bei ‚All Along The Watchtower’. So ein Ding spielt halt nicht jeder, oder wenn nur gelegentlich, obwohl viele irgendwo noch eine unterm Bett haben.

Du hast schon reichlich CDs veröffentlicht, was gibt es zur Neusten zu berichten?
Ich habe über 20 CDs raus gebracht. Stilistisch geht es von New Age, Smooth Jazz instrumentalen Alben bis in die Singer/Songwriter Ecke. Meine letzte CD ‚Charlatan’ habe ich live mit meiner Band aufgenommen, wir übten 2-3 mal die Woche spielten dann etwas 12 Wochen und haben uns schließlich in einen schnuckeligen Laden eingemietet und vor 50 geladenen Gästen gespielt. Meine Parts sind alle original geblieben, die anderen Jungs haben teilweise ihre Parts im Nachhinein ausgetauscht. Daher auch der Titel ‚Charlatan’(er grinst). Nein, in Wirklichkeit geht es natürlich um den Titelsong. Ich spiele gern mit Band liebe es Keyboards und Bass dabei zu haben und damit es nicht zu laut wird hat unser Perkussionist ein Handsonic von Roland, das klingt großartig. Von den 2 Stunden aufgenommenem Material hat es etwa eine Stunde auf die CD geschafft. Es gibt es mit dem Stück ‘Sabre’ etwas Samba á la Santanas ‚Samba Pa Ti’, wir haben Reggae dabei, jazziges, manches ist instrumental andere Stücke haben Gesang mit cleveren Texten und es gibt sogar Einflüsse von den frühen Pink Floyd mit Echos und Atmosphäre. Ich liebe Musik, die atmet und mag es nicht, wenn nur Muster aneinandergereiht werden. Ich brauche die Freiheit zu experimentieren.

Was für Projekte stehen sonst noch an?
Wenn man auf meine Webseite geht, gibt es einen Link zu meinem Projekt ‚Stringsurfer‘. Dort ist ein Demo Video mit Yoga Übungen für Musiker. Ich habe das mal als Programm für das Seattle Symphony Orchestra angeboten: 60 Musiker mit einem Stuhl und einem Notenständer, das hat was. Inzwischen gibt es dazu eine DVD. Man muss es sich vor Augen führen: die Mehrheit der arbeitenden Musiker ist über 40 Jahre alt, ich mache mir langsam Sorgen um die Gitarre!
Aktivem Musizieren wird zunehmend weniger Wert beigemessen, aber das ist ein anderes Thema, ich bedanke mich für das Gespräch.
Gerne, es war mir ein Vergnügen!

Webseite von David Lee Howard
www.stringsurfer.com
David Lee Howard spielt Höfner Gitarren

Jens Hausmann

Stockholm aus Sicht von Karin Mikara

Karin MikaraStockholm aus Sicht einer deutschen Musikerin
Nach dem Interview mit Karin Mikara blieben wir in Kontakt und ich war natürlich neugierig auf ihre persönlichen Erfahrungen in Stockholm. Darauf ging Karin bereitwillig per E-Mail ein. Die Wahl-Stockholmerin erlaubte mir, quasi als Nachschlag zum Interview ihren Bericht hier in eigenen Worten in Kurzfassung wiederzugeben. Weiterlesen

Karin Mikara – Keltische Musik in Stockholm

Karin MikaraKarin Mikara ist studierte klassische Gitarristin. Nach jahrelanger Unterrichtstätigkeit krempelt sie ihr Leben komplett um: ein Neuanfang in Stockholm! Neben dem eigenen erfolgreichen Gitarrenstudio dort ist das auch die Erfüllung des langgehegten Wunsches wieder konzertant aktiv zu sein. Ein entscheidender musikalischer Anlass waren genau die keltischen Arrangements, über die ich im letzten Interview mit David Russell sprach. Weiterlesen