Finn Olafsson – Hamlet’s Castle/Music From North Sealand

Der Vollprofi Finn Olafsson ist schon seit den sechziger Jahren aktiv. Nach europaweiten Erfolgen mit der Rockband „Ache“ spielt er seit den Siebzigern zunehmend akustisch und beschäftigt sich unter anderem intensiv mit Renaissance Musik. Zwischen zahlreichen Band und Duo Projekten, eigenem CD Label und Musikverlag gönnt er sich gelegentlich eine Soloscheibe. ‚Music From North Sealand‘ entstand 2011 in Zusammenarbeit mit VisitNordsjaelland. Auf der Suche nach einem Souvenir, das den Norden der dänischen Insel Seeland repräsentiert, wird dankbar Finns lang gehegtes Projekt umgesetzt. Hörer werden in atemberaubend malerische Landschaften mit Hügeln, Wiesen, weiten Wäldern, großen Seen entführt, erleben Stille im Kloster und märchenhafte Schlösser mit Hofszenen, alten Tänzen zwischen keltischen Klängen, Renaissance und Moderne. Der Longplayer kommt mit einem liebevoll gestalteten 20-seitigen Booklet, das für jedes Stück einen persönlich regionalen Bezug herstellt. Obwohl dieser Leitfaden die zeitlosen Melodien in die Nähe von Programmmusik rückt und den Eindruck zugleich herzlicher und intimer macht, lässt sich die atmosphärisch stimmungsvolle Musik des Meisters der Open-Tunings aber auch ohne Gebrauchsanweisung genießen. Quasi als musikalische Visitenkarte oder Appetizer dient nun die Single-Auskopplung ‚Hamlet’s Castle‘ mit zwei Versionen der Hymne über das Renaissanceschloss zu William Shakespeares Tragödie vom Prinz von Dänemark. Auf dem Album sucht man den Titel vergeblich, denn er versteckt sich als Grande Finale der Schlösser-Suite und wurde für die Single neu abgemischt. Gerade bei diesem majestätischen Thema überzeugt Olafssons kultivierter Ton äußerst geschmackvoll im Arrangement mit Overdubs. Unisono mit dezenter Stratocaster, unterlegt mit Bass und zusätzlicher Perkussion instrumentiert ist die Szene wunderbar plastisch herausgearbeitet.
Jens Hausmann

Webseite von Finn Olafsson

Leleland – Ukulelenshop in Berlin Kreuzberg

Bei der Recherche zu einem längeren Artikel über die Geschichte der Ukulele für das Magazin Akustik Gitarre machte mich ein Spezialgeschäft in Berlin Kreuzberg neugierig, nun hatte ich die Gelegenheit den auf Ukulele spezialisierten Laden selbst zu besuchen.

Harald Truetsch Leleland, Berlin, www.leleland.eu

Harald Truetsch, Leleland, Berlin, www.leleland.eu

In Deutschland ist die Ukulele etwa seit den 50er Jahren präsent. Weitere fünfzig Jahre hat es gedauert, bis sie sich im derzeitigen Boom halbwegs vom Spielzeug-Image befreien konnte. Aufregend vielschichtig ist das Feld inzwischen mit Virtuosen wie Jake Shimabukuro, Sängern wie dem viel zu früh verstorbenen Israel Kamakawiwo’ole (‚Over The Rainbow’), dem Ukulele Orchestra Of Great Britain, oder sogar dem Grunge-Rocker Eddie Vedder besetzt. Hierzulande denkt man seit den 90ern an Künstler wie Götz Alsmann und Stefan Raab. Allein in Berlin gibt es neben vielen Enthusiasten gleich mehrere Bands und Ukulelenorchester. In Berlin Kreuzberg an der Gneisenaustraße hat der Grafikdesigner Harald Truetsch vor einigen Jahren das größte Spezialgeschäft Deutschlands, oder gar Europas eröffnet. Er selbst ist seit den 70er Jahren im Thema, aber seine Liebe zur Ukulele wurde durch einen Freund wieder neu erweckt und dabei fiel auf, dass es durchaus Bedarf an einem guten Fachgeschäft gibt. Die etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten ab 12 Uhr ermöglichen weiterhin ein Berufsleben im Hinterzimmer und vorne im Laden ist dann nachmittags grundsätzlich gute Stimmung, denn die kleinen Instrumente sorgen immer für ein Lächeln. An die 150 Ukulelen hat der nebenher aktive Musiker vor Ort, hinzukommt Zubehör wie Gurte, Ständer, Taschen, Saiten und Filzplektren. Schaut man sich die vorrätigen Noten und Bücher an, geht es längst über Old-time, hawaiianische Musik, Jazz-Schlager und Folk hinaus, das Lehrmaterial umfasst eine ganze Reihe von Liedersammlungen aus den Bereichen Rock und Pop. Grob zwischen 50 und 2500 Euro liegt eine spielbare Ukulele, wenn man den Ladeninhaber fragt. Wer sich etwas Schönes gönnen möchte lässt sich gern Marken wie Moana oder Brüko empfehlen, Preislage etwa 100 bis 250 Euro. In den höheren Preisklassen geht es dann weiter mit Herstellern wie Martin oder Maton. Nach Geschäftsschluss gibt es im Laden Anfängerkurse oder sogar Workshops zu speziellen Themen, wie Elvis Presley für Ukulele, die Altersgruppe ist dabei zumeist erwachsen. Im Schnitt zwischen 25 und 65 Jahren weiß man diese Leidenschaft zu genießen, etwa die Hälfte davon sind Gitarristen auf der Suche nach neuen Inspirationen. Der Unterricht wird von keinem Geringeren als Andreas David von den Lucky Leles geleitet, das allein wäre schon Grund genug für ein Wochenende in Berlin. Hinzu kommen regelmäßige Session Treffen im Gasthaus Valentin in Kruezberg. Übrigens hat Harald Truetsch im November 2012 ein Konzert mit dem Ukulele Orchestra Of Great Britain im Admiralspalast organisiert, auch zu dem Thema darf man sicher gespannt sein.

Webseite Leleland
Jens Hausmann

Eddie Vedder – Ukulele Songs

Ukulele? Unrockbar, oder? Ausgerechnet dieses fröhliche kleine Instrument hat sich der melancholische Bariton für seine Songs ausgesucht, um von Liebe, Herzbluten, Verlust und Verzweiflung zu singen. Von den Grunge-Fans vermutlich eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen bietet die CD genau das, was der Titel verspricht. Der Frontman von Pearl Jam liebt die kleinen Viersaiter ohne jegliche Ironie, wie er schon auf Binaural mit ‘Soon Forget’ gezeigt hat und schlug damit in die Bresche von ‘Ram On’, McCartneys charmanten Genre-Prototyp. Mit unerhörtem Drive geht es gleich mit dem Pearl Jam Klassiker ‘Can’t Keep’ als Opener ordentlich zur Sache. Für Ukulele-Fans ist es eine inspirierende Offenbarung, wie erfrischend anders er klingt, völlig bodenständig, sein Sound braucht keinerlei spektakuläre Tricks. Diese entwaffnend unaffektierte Haltung animiert auf der Stelle zum Nachahmen! In erster Linie geht es um Songs, die der Barde vor längerer Zeit schrieb, Highlights wären die Ballade vom gebrochenen Herzen ‘Sleeping By Myself’, das romantische ‘Longing To Belong’, oder ‘Light Today’ ein Surfer Mantra mit zusätzlichen Strandgeräuschen. Sogar Glen Hansard kam für Aufnahmen vorbei und sang die zweite Stimme zu ‘Sleepless Nights’. Teilweise sind die Ukulelenspuren gedoppelt, weitere Instrumente gibt es nur sparsam als i-Tüpfelchen. Teils lagerfeuerverdächtig haben sich einige Cover-Stücke eingeschlichen, der Rausschmeißer ‘Dream A Little Dream’ á la Tom Waits wäre vielleicht nicht nötig gewesen, aber das Duett ‘Tonight You Belong To Me’, bekannt aus dem Film ‘The Jerk’ ist mit Chat Marshall ganz vortrefflich gelungen. Andere Stücke hat der Sänger zu seinem eigenen Ding gemacht, wie ‘Once In A While’ von dessen originaler Melodie nicht mehr viel zu erkennen ist. Weniger Soloprojekt als Souvenir für Langzeit Fans ist es insgesamt eine reife distinguierte Platte mit schönem Cover und Textbooklet, die für Vedder auch eine persönliche Herausforderung war: eine Songwriting-Übung mit nur einem Sound. Die Ukulele setzt sich gut durch und bietet einen wunderbaren Kontrast zur sonoren Stimme. Sicher konnte Herr Vedder damit in der Ukulelen-Szene eine Menge Fans hinzugewinnen.

Jens Hausmann

Diane Ponzio – Take The Hypotenuse / So Low, You Have To Listen

Diane Ponzio Musikmesse Frankfurt 2003 © Jens Hausmann

Diane Ponzio Musikmesse Frankfurt 2003
Foto: Jens Hausmann

Seit den späten 80ern ist Diane Ponzio unermüdlich unterwegs, als Singer/Songwriterin und in Sachen Martin Guitars. Beides ist bei der charismatischen Sängerin mit den wach funkelnden Augen schwer zu trennen, wenn sie jedes Jahr aufs Neue Martin Gitarrenfans auf der Frankfurter Musikmesse ihr charmantes Lächeln schenkt und zwischendurch auf die Acoustic Village Stage klettert, um die Instrumente anschließend begeisternd zu personifizieren.
Ihre Leidenschaft begann, als liebe Freunde gemeinsam ihre erste Martin D-35S als Geschenk finanzierten. Seither gilt ihre Begeisterung dem typischen dunklen Sound mit seidigen Höhen, der Bespielbarkeit, Verarbeitung dieser Steelstrings und vor allem der Tatsache, dass die edlen Instrumente über die Jahre mit dem Alter besser werden. Auch technisch kennt sie sich mit dieser Materie bestens aus. Manche dieser Eigenschaften hat die zierliche Lady mittlerweile für sich selbst verinnerlicht. Bislang neun CDs lang ist Diane ihrem Sound treu geblieben und hat es trotzdem immer wieder geschafft für Abwechslung zu sorgen und sich weiterzuentwickeln. Es gab anfangs einen Schuss Pop, folkiges, oder jazziges mit Band und mit ‚Something Personal’ eine ganz intim live im Studio eingespielte Solo-CD. Ein großes Highlight ist sicher die CD ‚Army Of Angels’ erschienen auf dem Stockfisch Label.

Diane Ponzio Photo: Jens Hausmann

Diane Ponzio 2006
Foto: Jens Hausmann

Gerade die letzten beiden Veröffentlichungen fallen besonders positiv auf und wurden zum Anlass für diesen Artikel. Inzwischen hat sich die quirlige Brand Ambassadorin eingehend mit der breiter geworden Martin Instrumentenfamilie auseinandergesetzt und ganz beachtliche Fertigkeiten auf der Ukulele erlangt, die ihrem versierten Gitarrenspiel kaum nachstehen. Hinzu kommen Akustik-Bass, Mandoline, Nylonsaiten- und 12-saitige Gitarre.

Zusammen mit Perkussion und Backgroundgesang konnte die New Yorkerin so für die aktuelle Platte Take The Hypotenuse’ einen schillernd perlenden akustischen Bandsound arrangieren und im Alleingang einspielen. Ihre schon legendäre Suche nach universellen Themen für zeitlose Songs hat sie mit nachdenklichen Balladen, leicht rockigen und jazzigen Stücken einer guten Portion Humor und gewitzt cleveren Hooklines auch beim Songwriting zur Höchstform auflaufen lassen. Vergleichbares gilt durchaus für den unbedingt empfohlenen Vorgänger ‚So Low, You Have to Listen’. Hier überwiegen indes die dunklen, wohlig warmen Klänge, wie der Name schon sagt und es gibt mehr von den intimen Solo-Stücken, allein mit ihrer Signature Martin Jumbo, wie wir sie auch live kennen und lieben. Beides sind Scheiben, die man unbedingt über Kopfhörer genießen sollte. Mrs. „Master of Schlep“, wie sie sich selbst augenzwinkernd nennt ist bekannt für kreative und extra leichte CD-Hüllen, diesmal wieder mit eigener Kunst. Texte dazu gibt es unter www.dianeponzio.com, hier finden sich auch die Tourdaten und übrigens einige der älteren CDs kostenfrei als Download!

Anspieltipps:

Diane Ponzio Frankfurt 2013

Diane Ponzio Musikmesse Frankfurt 2013

So Low, You Have To Listen
Solo-Ballade, tolle dunkle Jazzakkorde: ‚Got A Lot To Learn‘
Eine Gitarre sagt alles: ‚Find Me Lost‘, ‚Hmm‘, ‚Basta‘
Ballade, tief in D mit vermollter Subdominante:
‚I’ll Guard Your Sleep Tonight‘
Ukulele Feature: ‚Think Again‘

 

 

Diane Ponzio Musikmesse 2013

Diane Ponzio Acoustic Stage 2013

Take The Hypotenuse
Breiter akustischer Bandsound mit Gitarre, Ukulele & Bass: ‚Windy Day‘
Trifft den Nerv mit Humor: ‚I’m So Broke‘, ‚You Stink‘
Ohrwurm, voller Bandsound, viel Perkussion:
‚Don’t Break What You Can’t Fix‘
Typisch Diane Ponzio, diesmal Mandoline: ‚The Little Things‘

 

 

Diane Ponzio Webseite Diane Ponzio spielt Martin Gitarren und Ukulelen

Diane Ponzio MP3s bei Amazon.de

Jens Hausmann

Heywood- Irish Folk – Whisky Messe Nürnberg

Ihren bislang größten Auftritt konnte das sympathische Trio Heywood aus dem Bamberger Raum in Nürnberg genießen. Angegliedert an die Freizeit Messe gab es zum ersten Märzwochenende mit ‚The Village’ eine Whisky Messe, die für Besucher, Aussteller und natürlich die Musiker ein voller Erfolg war. Traditionelle irische Musik mit abwechslungsreich und lebendig arrangierten Jigs und Reels sowie feinfühlige Balladen bilden den Kern des Repertoires und sorgen für Grüne-Insel-Atmosphäre. Wer nicht dabei sein konnte bekommt hier und anhand der Demos auf der Webseite der Band einen kleinen Eindruck, wie Georg Vollmer an Gitarre und Gesang, Anette Fox an der Fiddle und der Brite Antony Lenagan am Bodhrán klingen. Hier merkt man schnell: live klingen Heywood noch besser! Übrigens stammt Anthony Lenagan aus Manchester unweit davon im Norden liegt der Ort Heywood, daher vermutlich der Bandname. In den Spielpausen bezauberte ein Blumenmädchen auf Stelzen, das zu seinem Violinenspiel aufblühte. Nicht zu vergessen der Piper Thomas Schalla im authentischen Outfit, er gab wirklich alles.

Jens Hausmann

Fotostrecke: Heywood live ‚The Village‘ Whisky Messe Nürnberg 2013

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Heywood- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Blumenmädchen- Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Blumenmädchen- Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Piper - Whiskymesse Nürnberg - Foto: Jens Hausmann

Piper – Whiskymesse Nürnberg – Foto: Jens Hausmann

Kolen- Ruffolo- Alexander – The Greater Good

(Stockfisch Records)
Den Niederländer Dennis Kolen kennen wir schon durch seine hervorragende Stockfisch Veröffentlichung ‚Northeim Goldmine’. Auch Eugene Ruffolo, ein New Yorker mit italienischen Wurzeln ist auf dem Label kein Unbekannter. Beide haben sich ohne große Vorbereitung mit Shane Alexander aus Kalifornien zu dem Trio ‚The Greater Good’ zusammengetan. Der Name ist auch gleich das Motto, denn ein entscheidender Unterschied zu den großen Singer/Songwriter Formationen, die sofort als Referenz herhalten würden ist: hier gibt es weder exzentrische Egotrips noch wird beim Northeimer „Zuhör-Label“ nach Verkaufszahlen geschielt. Beste Voraussetzung für eine Woche spontane Sessions bei Günter Pauler mit perfektem Harmoniegesang, bei denen Leadgesang und Songwriting gleichmäßig aufgeteilt wurden. Verblüffend, wie gut die Stimmen des Dreigestirns zusammenpassen und wie eingespielt und abgehangen das Ergebnis tönt. Man möchte keinem der charismatischen Sänger den Vorzug geben, wobei vielleicht Kolen mit seinem perlenden Gesang am ehesten heraus sticht. Auch die Begleitung haben die Probanden unter sich ausgemacht, viel Strumming und etwas Fingerstyle wird geboten und weitere Instrumente sorgen für geschmackvolle Klangfarben und Untermalung. Als Finale wird im zehnten Track Neil Young stellvertretend für das Genre mit ‚Tell Me Why’ Tribut gezollt auch hier wechselt der Leadgesang demokratisch in den Strophen. Insgesamt ein sehr gelungener Silberling, der nicht nur an die jeweiligen Fans gerichtet ist, sondern allgemein für Freunde dieses Genres sehr zu empfehlen ist, denn die Aufnahmen lassen sich durchaus mit den besseren Momenten mancher Supergroups vergleichen. Die Produktion wird im CD-Audio Format und als audiophile 180 g Vinyl-LP aus hauseigenem Direct Metal Mastering angeboten.

Jens Hausmann

The Greater Good bei Amazon: The Greater Good

Anders Parker – Cross Latitudes

(Skycap music // Rough Trade Distribution)
Früher brauchte man Longituden. Aber wer dazu fähig ist Latituden zu kreuzen, kriegt vermutlich alles fertig. Stimmt irgendwie: der Songwriter, Gitarrist und Multi-Instrumentalist Anders Parker schafft es, sich treu zu bleiben, ohne das man ihn irgendwie fassen und festnageln könnte. Hier ein ruhiges Folk-Album, dort elektronisch, oder ein erdiges Rock-Album, jüngst verwirklichte der quirlige Haudegen mit Kollegen wie Jay Farrar ein Woody Guthrie Projekt auf Einladung von dessen jüngster Tochter ins Guthrie-Archiv. Mit Cross Latitudes liegt ein atmosphärisch instrumentales Soloalbum vor, das wohl nur in sehr limitierter Auflage auf CD erschien und in erster Linie als digitaler Download seine Hörer findet. Daheim in den Bergen von Vermont hat sich Parker im langen kalten Winter Zeit genommen und mit Gitarren und Effektgeräten zurückgezogen. Entschleunigung, zurücklehnen, wirken lassen. Die meditativen Klangbilder passen perfekt zu winterlicher Stimmung und schaffen das richtige Ambiente, wenn fragile Soundflächen auf und abschwellen. Wunderbar als Soundtrack zur Jahreszeit mit schillernden Eis- und Schneelandschaften und absolut sicher mal ganz ‚Anders’.

Jens Hausmann

Kontakt: Skycap Music

Test Andreas Krüger Gitarrenbau Norbert Giebel Modell

Seit langem schreibe ich Testberichte für Akustik Gitarre. Aber dieses Wochenende konnte ich in Ruhe privat eine Gitarre ausprobieren, die mir selbst am Herzen liegt.
Schon einige Zeit arbeitet der renommierte Bielefelder Gitarrenbauer Andreas Krüger mit Norbert Giebel aus Lemgo zusammen. Der Spezialist für Konzertgitarren hat in langjähriger Erfahrung seine eigenen Vorstellungen entwickelt, die diese gemeinsamen Instrumente prägen.

Thomas Mueller-Pering  - Foto: Jens Hausmann

Thomas Mueller-Pering – Foto: Jens Hausmann

Seit Jahrzehnten treibt er nunmehr den Gitarrenbau voran: Bernd Martin, Yuichi Imai und Andrés D. Marvi sind einige der Gitarrenbauer mit denen der Musikalienhändler seit den 80er Jahren seine Vorgaben umsetzen konnte. Dabei engt er seine Sicht nicht auf die Gitarre allein ein: sein großes Vorbild für einen ausgewogenen und stehenden Ton durch alle Frequenzen findet er zum Beispiel eher im Flügel. Grob liegen die Unterschiede zu Krügers eigenen Instrumenten zum Beispiel in der größeren und breiteren Korpusform, oder im bis zum Schallloch durchgehenden Hals mit einer Verstärkung aus Messing. Die Zutaten sind selbstredend sehr edle, feine und vor allem lang gelagerte Hölzer aus dem Bestand des Gitarrenhändlers selbst und die feinen Unterschiede würde er uns vermutlich nicht verraten, abgesehen davon, dass sie ständig weiterentwickelt werden. Darüber hinaus bleibt es mit der symmetrischen 7er Fächerbeleistung und sonstigen Spezifikationen bei traditionell Bewährtem und das ist gut so. Ich hatte die Gelegenheit ein Modell mit Fichtendecke zu testen, das wohl ursprünglich für Hubert Käppel gedacht war. Für den Korpus wurde feinster geriegelter Ahorn verbaut und die Zargen sind innen mit Riopalisander verstärkt! Der wohlgeformte Hals aus Cedro mit einer etwas kürzeren Mensur von 64 cm und einer erstklassigen Bundierung macht die Bespielbarkeit zu einem Traum, auch schwierige oder schnelle Passagen gehen leicht und unbeschwert von der Hand und der Spieler kann sich auf die musikalisch interpretatorische Seite konzentrieren. Aus Spielersicht betrachtet ist es beeindruckend, wie jeder einzelne Ton steht und wie viel Kraft und „Bassanteil“ selbst die Diskantsaiten haben, hier fühlt sich der Autor an hervorragende Stahlsaitengitarren der Oberklasse erinnert.

Goran Krivokapic - Foto: Jens Hausmann

Goran Krivokapic – Foto: Jens Hausmann

Aus dem Blickwinkel des Zuhörers hat das Giebel Modell ein ausgewogenes durch alle Frequenzen sehr sauberes Klangbild, enorme Tragfähigkeit mit klarer Brillanz und Klangfülle auch in größeren Räumen. Neben der selbstverständlich perfekten Verarbeitung kommt die Gitarre daher absolut ausgeglichen, hat ein überragendes Sustain und einen herrlich fetten Ton bis in die höchsten Lagen. Der Reichtum an Klangfarben durch alle Register macht es schwer dieses Instrument aus der Hand zu legen, wunderbar! Obwohl für klassische Spielweise konzipiert ist diese Traumgitarre auch für andere Stilistiken bestens geeignet: Fingerstyle mit gedämpften Bässen, oder Jazz und Latin, sie kennt keine Grenzen. Klar, auf einem Flügel kann man auch alles spielen, auch wenn er in erster Linie höchsten klassischen Ansprüchen genügen soll. Es bleibt spannend auf der Suche nach dem goldenen Ton. Hier sind zwei Klangbeispiele, die ich auf die Schnelle mit den eingebauten Stereo Mikros eines Zoom Q3HD aus etwa zwei Metern Entfernung mit eigenen Stücken aufgenommen habe: Tango For Django & Right Now. Im Studio von Norbert Giebel Konzertgitarren in Lemgo gibt es übrigens bei kleinen Konzerten auch regelmäßig die Möglichkeit diese feinen Instrumente in den Händen von großartigen Meistergitarristen wie Goran Krivokapić oder Thomas Müller-Pering zu hören, oder selbst zu testen. Andreas Krüger arbeitet seit langem in seiner Bielefelder Werkstatt und baut etwa zehn Instrumente im Jahr. Vor langer Zeit hatte er übrigens eine gemeinsame Werkstatt mit Ludger Wannenmacher. Etwas ganz Besonderes bietet Krüger quasi nebenbei: bei ihm kann man in kleiner Runde bei einem Gitarrenbaukurs teilnehmen. In vielen Fällen kommen dabei wirklich gute Instrumente zustande, so baute zum Beispiel sogar Norbert Giebel selbst dort unter Anleitung zwei seiner persönlichen Lieblingsgitarren. Mehr Infos über den Gitarrenbauer und seine Werkstatt: Andreas Krüger

Jens Hausmann

Dominic Miller – 5th House

(Q-rious Music)
Den größeren Teil seiner Karriere verbringt der in Argentinien geborene Brite Dominic Miller an der Seite von Sting. Um auch seine eigene Musik voran zu bringen, nutzt er für gewöhnlich alle verfügbaren Wartezeiten und Tourneepausen und nummeriert seine Ergebnisse durch: Nach ‚First Touch‘ (1995), ‚Second Nature‘ (1999), ‚Third World'(2004) und ‚Fourth Wall‘ (2006) erscheint nun ‚5th House‘. Das Fünfte Haus, inspirierender Begriff aus der Astrologie, steht für Liebe und Leidenschaft, ein schönes Motto für ein Album, das am Herzen liegt. Die Songs reflektieren seine Stimmung auf Tour. Alles was Dominic unterwegs dafür braucht ist eine Gitarre und ein iPhone, so sagt er. Aufgenommen wurde in Köln und in Los Angeles, der Mix entstand in London bei dem Lieblingstoningenieur und Langzeitkomplizen Hugh Padgham. Diese Zusammenarbeit besteht seit dem legendären Song ‚Another Day in Paradise’. Genau der Phil Collins Titel, der einst Sting auf das sensible Spiel des Gitarristen aufmerksam machte. Abgerundet wurde das Ergebnis schließlich in der Provence, Millers Wahlheimat. Dominics Spezialität ist es schon immer gewesen sehr schnell zu arbeiten, aber mit sieben Tagen Aufnahme und zwölf Tagen Gesamtprozess, kann er sogar den eigenen Rekord von ‚Fourth Wall’ brechen. Miller sagt, dass viele seiner Lieblingsklassiker in so kurzer Zeit entstanden sind, auch wenn sonst die Produktion mehr Feinschliff bekommen hätte. Der Hörer fragt sich, was soll da noch poliert werden? Legendäre Musiker wie Vinnie Colaiuta und Jimmy Johnson gehören zur Traumbesetzung, Pino Palladino und Yaron Herman sind mit von der hochkarätigen Partie und Millers bestens eingespielte Tourband mit Rhani Krija, Nicolas Fiszman und Mike Lindup sorgen ebenso für eleganten Perfektionismus. Millers Effizienz und Raffinesse mit wenig Tönen alles zu sagen ist ebenso charakteristisch, wie die Präzision des Lineups auf höchstem Niveau ‚in the pocket’ zu spielen. Wieder gibt es diese Wechsel von Tutti Stellen mit Band, Ambiente und Solo-Passagen, in denen der Künstler so direkt klingt, als würde er vor einem sitzen. Gitarristisch hat er seine Probierphase der letzten Jahre zu einem vorläufigen Ergebnis gebracht. Ließ er vor kurzem noch die Nylonsaiten Gitarre auf Tour zuhause, um mal aus der Komfort-Zone zu kommen, so zeigt er jetzt seine gesamte Bandbreite von Stilistiken und Klangfarben wie aus einem Guss, von Nylon bis zur ordentlich rockigen E-Gitarre. Es stimmt, das Album ist im positiven Sinne nicht geschliffen, es hat Charakter und inspiriert mit Leidenschaft. Klar, musikalisch ist das sauberer, instrumentaler Fusion-Jazz auf höchstem Niveau. Aber auch die Güte der Produktion gehört für Klangästheten in die Referenzklasse!

Jens Hausmann

Dominic Miller bei Amazon: Fifth House

Brooke Miller – Familiar

(Stockfish)
Seit Jahrzehnten ist erstaunlich mit welch hoher Güte Singer/Songwriter aus Kanada am Start sind. Brooke Miller gehört gewiss auch in diese Klasse, obwohl sie in unseren Breiten noch nicht so bekannt ist, wie sie es verdient hätte. Fingerstyle Gitarrenfans ist sicher ihr Mann Don Ross geläufig, der sich auch an dieser Produktion dezent bei einigen Songs am Bass und einmal am Piano beteiligt hat. Seit ihrem 12. Lebensjahr ist Brooke musikalisch aktiv und am liebsten mit Band unterwegs, aber diese Scheibe wurde bewusst intimer gehalten. Gut die Hälfte der elf Titel wurde im Northeimer Studio solistisch produziert, so kann die Künstlerin mit dem schwer modellverdächtigen Aussehen ihre Stärken voll entfalten. Miller konnte dabei aus dem Vollen schöpfen, in erster Linie setzt sie auf ewährte Highlights aus ihrem Repertoire. Stimmlich erinnert die Ost-Kanadierin an Sara K. und hat ähnliche Stärken mit umfassender Bandbreite zwischen sanft, weich und energisch, kraftvoll. Aber musikalisch waren sonst vielleicht eher kanadische Kollegen wie Bruce Cockburn oder Joni Mitchell zumindest gitarristisch prägend und natürlich die kanadische Heimat mit all ihrem Charme. Viele Open-Tunings verrät das liebevoll gestaltete Booklet, aber es gibt auch einige Stücke in Standard Stimmung. Der Opener ‚What You Know’ groovt gleich vielversprechend los und überzeugt nicht zuletzt auch durch stimmlich schönen Backgroundgesang. Gleich beim zweiten Stück ‚You Can See Everything’ zeigt Miller noch mehr Individualität und sehr versiertes Gitarrespiel. einen Vorgeschmack dazu gibt es übrigens bei YouTube aus der Greenfield Guitar Werkstatt, dessen Gitarren Brooke spielt. Auf diesem Niveau läuft es weiter, es gibt eine Prise Folkiges, einen Hauch Country, Balladen und immer hervorragendes Songwriting mit reichlich Authenzität. Beim Titelsong-Highlight fällt es schwer sich zu entscheiden, er wird in einer Piano- und einer Gitarrenversion angeboten. Den gelungenen Abschluss findet die CD in sich gekehrt in der wunderschönen Ballade ‚Quiet Night’. Die Produktion wird als Hybrid-SACD in höchster Klangqualität mit zusätzlichem 16bit CD-Audio Layer oder als audiophile 180 g Vinyl-LP angeboten, großartig. Unterm Strich einer der besten Silberlinge, die mir in letzter Zeit auf den Tisch kamen, looks like we have a new Hero!

Jens Hausmann

Brooke Miller bei Amazon: Familiar