Gitarrengriffe: Akkorde Lernen Teil 3 Barrée

Wir sind wir schon sehr weit gekommen, die 5 Basisakkorde legen tatsächlich bereits den Grundstock, auf dem alles Weitere aufbaut: streng genommen sind unsere 3 Moll-Akkorde schon einfache Ableitungen, indem wir jeweils nur einen Ton verändert haben. Gleiches gilt für die beschriebenen Septakkorde. Einen strategisch wichtigen Septakkord habe ich allerdings noch, in E-Dur oder E-Moll braucht es einen B7. Einen echter B-Dur ohne 7 wäre schon ein Barréegriff! Im Weiteren möchte ich mich in diesem Teil genau diesen berühmt berüchtigten Barrée-Griffen widmen. Barrée-Akkorde sind eigentlich nur verschobene Versionen von den bereits bekannten Basis-Akkorden. Am Anfang geht es dabei entweder um E-Dur und E-Moll, oder um A-Dur und A-Moll. Um höher auf dem Griffbrett Richtung Korpus zu kommen, müssen wir die Leersaiten berücksichtigen, die wir bisher einfach ohne weiteren Aufwand nutzen konnten. Das würde jetzt der erste Finger erledigen und der Rest verschiebt sich jeweils um einen Finger. Wenn ich also bisher ein E-Dur mit den ersten drei Fingern gegriffen habe, muss ich jetzt den 2. Finger für die G-Saite nehmen, den Ringfinger für die A-Saite und der kleine Finger greift die D-Saite. Vielleicht ist das gar nicht so schwer zu verstehen, aber die Praxis wird uns genug Schwierigkeiten bereiten. Deswegen nähern wir uns diesen Griffen in kleinen Schritten. Die meisten Anfängerprobleme entstehen nach dem Motto „Jetzt-hab-ich-ihn-jetzt-würg-ich-ihn. Das genau versuchen wir hier zu vermeiden.

Der erste Schritt ist, die Finger 2, 3 und 4 ein bisschen zu trainieren und geschmeidiger zu machen. Dazu gehen wir zurück auf die ersten 3 Akkorde A-Dur, D-Dur und E-Dur. Diese Griffe werden entsprechend verschoben ohne Zeigefinger geübt. Gleiches probieren wir auch mit E-Moll und A-Moll, wer mag kann natürlich mit weiteren Griffen probieren. Wenn das einigermaßen gelingt, versuchen wir dabei mal mit dem Zeigefinger auf den Sattel, oder noch besser dahinter zu stupsen, lang drüber, schön recken aber ohne Druck und wieder locker lassen. Der nächste Schritt ist, das wir uns um den Zeigefinger isoliert zu kümmern. In einem durchschnittlichen Barréegriff ist er nur für drei Saiten zuständig, bei F-Dur liegt er im ersten Bund und greift die dicke E-Saite im Bass und die beiden hohen Diskant-Saiten, die h-Saite und die e-Saite. Das trainiert man am besten mit einer Wippe: der Finger kümmert sich erst entweder um die Bass-Saite oder um die beiden hohen Saiten, erst später gelingt Beides. Dazu sollte der Ellebogen recht körpernah von Innen kommen, der Zeigefinger liegt etwas seitlich verdreht auf und beim vollständigen Griff kommen dann die anderen drei Finger auch etwas schräg. Wichtig ist, dass der Hals von oben gesehen schräg durch die Hand läuft, das ist die einzige Möglichkeit einen Knick im Handgelenk zu vermeiden! So, mehr kann ich hier im Moment nicht weiterhelfen, in der anhängenden PDF-Datei sind zu den Barréegriffen noch ein paar Beispiele zu sehen, vor allem auch Vereinfachungsvorschläge. Hier noch ein paar wichtige Punkte: Grundsätzlich müssen nicht immer 6 Saiten gleichzeitig gespielt werden, meist reichen drei Akkordtöne plus einen Basston. Das ist schon Luxus und im Falle von D-Dur hatten wir auch nicht mehr. Bei Griffen mit dem Grundton auf der A-Saite, zum Beispiel B-Moll (H-Moll) lohnt es nicht beide Basstöne gleichzeitig zu greifen, lieber einzeln und den Finger entsprechen aus dem Arm heraus umstellen. Gerade dieser Griff wäre gut dafür, die dünne e-Saite mit dem Zeigefinger zu dämpfen und eben nicht zu greifen. Ein Profi kann übrigens jeden beliebigen Barrée-Akkord, würde aber jeden Barrée vermeiden, wenn er kann. Wenn es nicht lohnt oder er würde im beschriebenen F-Dur mit dem ersten Finger nur die drei Saiten gut greifen, die er wirklich braucht. Manche von euch kennen vielleicht noch Chris De Burgh, der war früher bekannt für Songs mit vielen Barrées, aber auch für Rhythmen, bei denen er auf der 2. und 4. Zählzeit 2x pro Takt einen perkussiven Dämpfschlag hatte und dafür einfach die linke Hand locker ließ. Das ist der Grund warum er das lächelnd und mit Leichtigkeit auf Dauer geschafft hat. Versucht immer schön locker zu bleiben, geschmeidig und beweglich, wenn man bei so einem Griff den Arm nicht mehr bewegen kann, ist das zum Beispiel schon verdächtig. Ich hoffe ich konnte mit diesen Ausführungen und Tipps weiter helfen.

Jens Hausmann

PDF-Datei:  Gitarrengriffe Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur 3

Gitarrengriffe: Erste Akkorde Lernen Teil 2

Nachdem wir die ersten Hürden genommen haben, werden die nächsten Akkorde schon etwas leichter von der Hand gehen. Hauptthema dieses Absatzes ist der Wechsel zwischen G-Dur und C-Dur. Dazu vorab eine Kleinigkeit: Gitarristen nummerieren ihre Finger der linken Hand von 1-4 ab Zeigefinger, der Daumen bekommt keine Nummer! Während wir für C-Dur nur eine sinnvolle Möglichkeit mit den ersten drei Fingern haben, wird das für G-Dur schwieriger, hier gibt es zwei Möglichkeiten. Wer mit weniger Spannung in der Hand auskommen will, wählt die erste Version, auf dem PDF-Zettel habe ich es ‚G Vollversion‘ genannt, von hier ist der Wechsel zum C-Dur allerdings sehr umständlich, deswegen greifen viele Gitarristen ohne Zeigefinger mit Mittelfinger, Ringfinger und dem kleinen Finger. Das ist deutlich schwieriger, aber praktisch, daher der Name ‚G praktisch‘. Das Geheimnis liegt mal wieder in der Armstellung, für das schwierigere ‚G praktisch‘ muss der Ellenbogen schon ziemlich weit an den Körper ran. Wenn es immer noch nicht klappt, ist vermutlich die Gitarre an der falschen Stelle, das ist der häufigste Fehler generell. Versuche sie erstens höher zu halten, hier geht es vor allem um den Hals. Da hilft ein Gurt, ein Fußstuhl oder eine Gitarrenstütze, wie ich sie meist verwende. Zweitens schieb den Hals ein wenig weg von dir, ich habe die Gitarre oft in einem schrägen Winkel von ca. 45° zu meinen Schultern, von oben gesehen. So kann man Platz für den Arm schaffen, nicht vergessen, die Finger allein machen es nicht! In den folgenden Darstellungen ist das G bewusst ohne Fingersatz abgebildet, wähle selbst. Bleibe dann erstmal bei deiner Entscheidung, um Verwirrungen zu vermeiden, am Ende kannst du sowieso beide Versionen, keine Sorge.
Wer bis hier tapfer durchgehalten hat kann schon einige erweiterte Akkordverbindungen spielen, Beispiele dazu gibt es auf der PDF-Datei. Das reicht schon für eine Menge toller Songs. Übrigens habe ich da einen neuen Akkord versteckt: D7 wirkt zwar kompliziert, aber lässt sich von Am oder C-Dur prima erreichen, weil der erste Finger liegen bleiben kann. Versuch es selbst. Was ist das eigentlich für ein Akkord, wenn eine ‚7’ dabei steht? Das nennt man Dominantseptakkord, es ist ein Akkord mit einem zusätzlichen Ton, dem siebten Ton der Tonleiter. Wenn dich das verunsichert, kannst du grundsätzlich den „normalen“ Akkord spielen, die Töne stimmen immer noch, du hast nur einen weniger, darum klingt es vielleicht nicht ganz so interessant, aber es funktioniert trotzdem problemlos.
Jetzt haben wir noch eine Reihe mit Moll-Akkorden. Dazu brauchen wir den Akkord D-Moll: viele greifen den mit dem Ringfinger auf der 2. Saite, ich empfehle den kleinen Finger, der fällt fast von selbst dahin und später kann man so mit dem Ringfinger dann noch andere Töne spielen, praktisch. Am, Dm, Am, Em sind die originalen Akkorde von Bob Marleys ‚Roots, Rock, Reggae’. Kaum tauscht man in der Akkordfolge das E-Moll gegen E-Dur aus, klingt es gleich europäischer, faszinierend, nicht?
Zu guter Letzt habe ich noch die zwei Dominantseptakkorde A7 und E7 auf dem verbleibenden Platz untergebracht, vielleicht klingen die für dich ein bisschen schief, das ist Absicht, serienmäßig sozusagen, mit solchen Akkorden schafft man Spannung, die jeweilige Auflösung steht direkt dahinter. Für A7 gibt es zwei Fingersätze, oft wird er auch mit dem Mittelfinger und Ringfinger gegriffen, aber für den Wechsel zum D-Dur ist es mit den ersten zwei Fingern leichter. So, jetzt  kannst du dir mal auf die Schulter klopfen, wer bis hier gekommen ist, kann schon alle 5 Basisakkorde in Dur, die 3 Baisakkorde in Moll und obendrein 3 Septakkorde. Damit kann man eine Menge Lieder aus einem durchschnittlichen Songbuch versuchen, ohne sich mit dem Finger in die Augen zu stechen…

Jens Hausmann

PDF-Datei: Gitarrengriffe Erste Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur 2

Gitarrengriffe: Erste Akkorde Lernen Teil 1

Hier werden die ersten Akkorde geübt. Wer Gitarrengriffe lernen will, um mit der Gitarre Songs und Lieder zu begleiten, kann hier online ein paar Tipps bekommen.

Diese Erklärungen sind allerdings als Ergänzung zum Gitarrenunterricht gedacht und können nur einige Aspekte erklären, veranschaulichen oder wiederholen. Ein paar Artikel ersetzen auf keinen Fall echten Gitarrenunterricht, sind aber manchen vielleicht schon eine kleine Hilfe.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gitarrengriff und einem Akkord? Zugegeben, für unsere ersten Versuche ist der Unterschied noch nicht so wichtig, aber ein Gitarrengriff ist etwas sehr gitarristisches, die Art wie ich einen bestimmten Akkord greife. Ein Akkord könnte zum Beispiel ein C-Dur Akkord sein. Das bedeutet, dass er aus den Einzeltönen C, E und G besteht, sagt aber noch nichts über deren Reihenfolge aus, oder ob eventuell manche Töne mehrmals vorkommen. In einem typischen Gitarrengriff ist das häufig der Fall, obendrein gibt es grundsätzlich mehrere Arten einen Akkord zu greifen….

Wir fangen an mit A-Dur und D-Dur im Wechsel. Der nächste Schritt wäre A-Dur und E-Dur, das reicht jeweils schon für ‚Rock My Soul’, ‚He’s Got The Whole World’ oder ‚Tom Dooley’. Anschließend schaffen wir schon alle drei zu wechseln. Wichtig ist dabei, dass wir so wenig wie möglich drücken und die Finger jeweils nah an die Bundstäbe setzten, Präzision ist das Stichwort, dabei hilft die Armsteuerung. Die Finger haben nur kleine Bewegungen und der Arm dreht sich aus dem Schwerpunkt (im Unterarm ganz nah am Ellenbogen). Bei A-Dur haben wir eine Mittelposition, die Handfläche und Knöchel der Hand haben etwa einen 45° Winkel zum Gitarrenhals. Bei D-Dur geht der Ellenbogen raus vom Körper weg und die Handfläche tendiert fast zu 90°, bei E-Dur geht der Ellenbogen wieder rein, der Unterarm läuft schräg zum Hals, die Handfläche ist fast parallel zum Gitarrenhals. Möglich langsam üben und die neue Position in einer Bewegung versuchen zu finden. Am Anfang ist es empfehlenswert nur zu Pendeln, d.h. wir gehen immer zurück zum A-Dur und müssen nur von dort aus jeweils die anderen beiden Griffe finden. Der direkte Wechsel von D-Dur nach E-Dur kommt erst später. Die Akkordreihenfolge in der ersten Zeile der PDF-Datei passt übrigens schon zu ‚The Lion Sleeps Tonight’.

In der zweiten Zeile haben wir die Kadenz (Akkordreihenfolge) in D-Dur, das ist eine neue Tonart, vorher waren wir in A-Dur. Für die Akkorde in D-Dur brauchen wir einen neuen Griff, der Akkord heißt G-Dur und wir nehmen erst mal eine vereinfachte Version mit nur einem Finger. Versuche hier selbst eine gute Position für Arm- und Handstellung zu finden. Wir brauchen ihn am Anfang nur im direkten Wechsel zu D-Dur, den Wechsel zwischen A-Dur und D-Dur haben wir ja schon geübt, von daher sollte die Zeile keine weiteren Probleme bereiten.

Neben den bisher gelernten Dur-Akkorden gibt es auch welche, die in Moll stehen. Wie das theoretisch zusammenhängt klären wir später, hier nur so viel: Man darf sie auf keinen Fall verwechseln. Das ist nicht ganz leicht, weil Beides häufig in ein und demselben Song auftaucht. Im folgenden Beispiel kommt hinzu, dass sie fast gleich aussehen. Wir nehmen unsere Position für E-Dur und greifen von dort aus den neuen Akkord A-Moll (Kurzform Am), indem wir mit allen Fingern eine Saite tiefer greifen (Richtung Fußboden). Das machen wir aus dem Arm. Wir lassen ihn einfach ein kleines Stück fallen, nach dem wir die Finger lockern. Zurück müssen wir den Arm wider anheben, achte drauf, dass das Handgelenk dabei möglichst wenig gewölbt und auf keinen Fall geknickt wird. Die Bewegung soll wirklich aus dem Arm kommen und nicht aus Handgelenk! Mit diesen beiden Griffen kann man Songs wie ‚Joshua Fit The Battle of Jericho’ spielen. Für Em brauchen wir beim E-Dur nur den Zeigefinger wegzunehmen, dürfen aber nicht im Wechsel mit Am durcheinander kommen. Wenn das abwechselnd in halben Noten gelingt reicht das bereits für ‚Hejo, spann den Wagen an’. Glückwunsch, das waren schon die ersten Schritte!

Jens Hausmann

PDF-Datei:

Gitarrengriffe Erste Akkorde Lernen in Noten und Tabulatur

Rock My Soul, He’s Got THe Whole World in A und in D

Tom Dooley in D und in G

Joshua fit the Battle, Drunken Sailor, Hejo

Nur ein bisschen Gitarre Lernen …

Den meisten reicht das schon, nur so ein kleines bisschen. Hier folgen ein paar nicht ganz ernst gemeinte Links. Wer dann doch noch Fragen hat, möge mich anrufen, (zum Thema Gitarre meine ich) …

Learn enough guitar… Part 1

Learn enough guitar… Part 2

Aber hier ist wirklich etwas Interessantes, jede Menge Songs mit 4 Akkorden! Viel Spaß beim Sammeln, Routine ist ja auch was wert…

Axis of Awesome – Four Chord Songs

Mentales Training

Leichter lernen – sicherer auftreten
Für Sportler ist es etwas Alltägliches, für Musiker meist immer noch neu. Mentales Training, bedeutet z.B. üben zu können, ohne die Bewegungen tatsächlich auszuführen, eine effektive Methode. Damit lässt sich Zeit sparen, Konzentration fördern, sorgfältiger und zielgerichteter Üben. Die Klangvorstellung wird deutlicher und bewusster, was erstens die Musik im Ablauf selbst betrifft, zweitens aber vor allem die Interpretation. Eingeschliffene Fehler kann man damit loswerden, Sehnen und Gelenke schonen, Wartezeiten überbrücken und, und, und…
In dem Buch von Renate Klöppel wird das alles veranschaulicht und an praktischen Beispielen erklärt, ein großer Teil des Buchs ist auch dem Umgang mit Lampenfieber gewidmet und es gibt eine Einführung in die Progressive Muskelentspannung, sehr zu empfehlen!
Literatur:
Mentales Training für Musiker. Leichter lernen – sicherer Auftreten von Renate Klöppel. Bosse Verlag 3. Auflage 2003.

Mentales Training für Musiker: Leichter lernen – sicherer auftreten

Prestississimo

Prestißißimo – Grete Wehmeyer
Die Wiederentdeckung der Langsamkeit in der Musik und somit die Entschleunigung ist ein zentrales Thema der wissenschaftlichen Arbeit von Grete Wehmeyer. Die Musikwissenschaftlerin und Pianistin zeigt wie es trotz besseren Wissens dazu gekommen ist, dass sich einerseits durch historische Missverständnisse die Musik in den letzten 200 Jahren immens beschleunigt hat und wie weit es auch einfach mit Zeitgeist, Lebensgefühl und technischen Errungenschaften zusammenhängt. Denn so hatten sich die Komponisten vergangener Zeiten ihre Musik nicht vorgestellt. Sehr empfehlenswertes und auch unterhaltsames Buch für alle Musiker und Musikliebhaber.

prestißißimo. Die Wiederentdeckung der Langsamkeit in der Musik

Resonanzlehre: Musiker in Bewegung

Aus der eigenem Erfahrungen als Musiker, vor allem aber durch Unterrichtserfahrung weiß ich, in den meisten Fällen ist es nicht selbstverständlich, dass die körperliche Seite des Musizierens ausreichend berücksichtigt wird. Die beste Anleitung sich als Musiker körperlich 3-dimensional ausbalanciert einzurichten und  mit Leichtigkeit und der richtigen Balance aus Lockerheit und Spannung bekam ich von Thomas Lange. Auf seiner Seite kann man mehr erfahren, insbesondere das dort eingestellte Interview würde ich empfehlen: Resonanzlehre. Bei Thomas Lange geht es um angewandte Musikphysiologie für Musikerinnen und Musiker. Er fasst Klang und Bewegung als Einheit auf. Sein Kernsatz lautet: Je resonanzreicher der Klang, um so müheloser und effektiver die musikalische Bewegung. Glücklicherweise steht der Gleichgewichtssinn im direkten Zusammenhang mit dem Gehör. Hat man einmal gelernt, dass wir Menschen nicht mechanisch sondern kybernetisch und ausbalanciert optimale Ergebnisse erzielen, ist man schon bald auf dem richigen Weg. Mit der audiomotorischen  Einschätzung der eigenen Bewegungsqualität gibt er ein Kriterium an die Hand, mit dem Musiker hören können, wie es um die Bewegungsqualität beschaffen ist. Angewandt bedeutet dass es immer um die tatsächliche Praxis in der musikalischen Aktion geht. Am Ende konzentriert sich der Musiker in erster Linie auf den Klang der die entsprechende Bewegung steuert. Bestandteil der Resonanzlehre sind von Thomas Lange zusammengestellte Körperübungen mit denen der Körper täglich neu eingerichtet wird. Als Ergänzung für diesen Aspekt kann ich auch das folgende Buch empfehlen. Es hilft die Verbindung von Klang und Bewegung zu optimieren. Aber natürlich ist es auch wertvoll für jene die einfach nur akute oder spätere Beschwerden vermeiden wollen oder ihre Ausdauer und Leistungsfähigkeit verbessern wollen.

Musiker in Bewegung: 100 Übungen mit und ohne Instrument

Buchtipp: effektives Üben

Gerhard Mantel – Einfach üben: 185 unübliche Überezepte für Instrumentalisten
Schott Verlag, ISBN 978-3-7957-8724-0
Das Buch eines Cellisten auf einer Gitarrenseite? Ja genau, nachdem Gerhard Mantels spezielleres ‚Cello üben. Eine Methodik des Übens nicht nur für Streicher’ zur Standardlektüre an Hochschulen geworden ist, ist dieser Buchtipp allgemein für alle Instrumentalisten hochinteressant. Durch Mantels sehr komprimierten Schreibstil bekommt der Musiker hier ein kompaktes Buch mit geballter Information an die Hand, das andererseits vielleicht nicht gerade als Bettlektüre geeignet ist. Widmet man aber seine ganze Aufmerksamkeit dieser Veröffentlichung ist der Nutzen von seinen Methoden und Überezepten unbezahlbar. Das Buch ist in vier Teile eingeteilt, die Frage „Was ist Üben?“ Wird als erstes geklärt, dann spannt der Autor den Bogen zum zentralen Thema Bewegung: „äußere und innere Bewegung, die einander im Idealfall entsprechen“, bringt es auf den Punkt. Abgerundet wird durch einen Teil zur mentalen Organisation und einen zum Thema Interpretation. Die Rezepte sind jeweils der zentrale Punkt jedes Abschnitts in einem Satz zusammen gefasst. So wird das Arbeiten mit ‚Einfach Üben’ wesentlich erleichtert. Dieses Buch gibt wertvolle Anregungen und Hilfestellungen zum effektiven Üben und sei allen Instrumentalisten, die es ernst meinen, wärmstens empfohlen.
Jens Hausmann

Einfach üben: 185 unübliche Übe-Rezepte von Gerhard Mantel

Buchtipps: gehirn-gerechtes Lernen

Vera F. Birkenbihl – Stroh im Kopf?

Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer

Hochinteressant immer wieder über den Tellerrand eines Gitaristen zu schauen. Gerade, wenn man unterrichtet, oder selbst ständig dazu lernen will ist es sicher eine gute Idee sich mal mit gehirngerechter Aufbereitung zu beschäftigen. Wie funktioniert das Gehirn überhaupt, was bedeutet rechte und linke Gehirnhälfte. Die wunderbare Autorin Vera F. Birkenbihl legt die Grundlagen moderner Gehirnforschung verständlich dar und bleibt dabei vor allem stets locker und unterhaltsam. Dieses Buch ist schnell durch gearbeitet und man bekommt jede Menge schnell umsetzbare Anregungen mit auf den Weg. Übrigens ist einer der gut veranschaulichten Tipps von Frau Birkenbihl das folgende Buch von Betty Edwards. Beiden Bücher sind keine trockene Theorie sondern auf Anhieb praktisch anwendbare Hilfen. Von Vera F. Birkenbihl gibt es auch noch eine ganze Reihe von hervorragenden Programmen zum Erlernen von Sprachen und andere interessante Bücher.

 

Mehr zum Thema:

Das innere Archiv, die Fortsetzung von Stroh im Kopf

Lernen lassen!: Mit 17 konkreten Methoden, Tricks und Lernspielen

Trotzdem lernen: Lernen lernen

und hier kommt eins meiner Lieblingsbücher:

Betty Edwards – Das neue Garantiert Zeichnen Lernen

Die Befreiung unserer schöpferischen Gestaltungskräfte

Mit einfachen Tricks zeigt Betty Edwards, wie man Proportionen erkennt, mit der Perspektive umgeht, mit Licht und Schatten die dritte Dimension darstellt und Porträts zeichnet. So weiß es die Kurzbeschreibung. Der originale englische Titel heißt: ‚Drawing On The Right Side Of The Brain’. ‚Right’ ist zweideutig gemeint im Sinne von richtig und im Sinne von rechts. Ruckzuck leitet die Autorin dazu an, eben wirklich die oft brachliegende rechte Gehirnhälfte zu nutzen, indem die linke Hälfte unter- oder überfordert wird. Im Laufe des Buches lernt man immer bewusster umzuschalten und eben Zeichnen! Das war mir ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, mich interessierten mehr die Hintergründe und ob das Ganze auf die Welt eines Musikers übertragbar ist. Tja, nun habe ich deutlich Fortschritte gemacht, obwohl ich vorher schon recht passabel zeichnen konnte, habe für mich und den Unterricht viel gelernt und kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Aber das Schärfste ist: seit ich es durchgearbeitet habe, hat sich mein Gitarrespiel und meine Lernfähigkeit um Einiges verbessert!

Jens Hausmann

Gesang: Basics für Gitarristen

Sicher nicht Hauptthema einer Gitarrenseite aber für viele Gitarristen sicher trotzdem interessant. Hier habe ich ein paar Basics die ich im Gitarrenunterricht mit meinen Schülern gesammelt habe. Damit kann man als Erste Hilfe nicht viel falsch machen, wer aber mehr braucht wird mit professioneller Hilfe oder weiter unten fündig.

Atmung
Am besten durch Nase und Mund, das geht gar nicht so schwer. Die Nase allein wäre zu langsam und geräuschvoll, mit dem Mund allein wird alles trocken. Dabei tief atmen in die Flanken und Bauch und nicht die Schultern heben. Schön auf gleichmäßig ausströmende Ausatmung achten, die Einatmung kommt wie von selbst. Ausatmen üben auf ssss oder fffff. Der Atem sollte gestützt sein, dass heißt, aber nicht Bauch rausdrücken oder einziehen. Es geht eher um eine lockere Spannung, ein bisschen als wollte man pupsen (-;
Ansonsten die Zunge aus dem Weg schaffen. Die liegt oft schlaff im Mund und dämpft wie eine Wolldecke, so dass der Ton nicht rauskommt.

Stand/Sitz
Locker! Im Stand wäre für den Gesang natürlich besser, Boden unter den Füßen spüren, Knie nicht durchdrücken, Beckenboden leicht anheben jederzeit in der Mittelachse drehbar bleiben.
Spezifisches für Gitarristen
Beim Stand oder Sitz geht es schon los, zumindest dann, wenn gern auf das Griffbrett geschaut wird ist der Körper schon nicht mehr optimal ausgerichtet. Aber andere Probleme sind, dass Spannungen vom Gitarrenspiel (schwierige Akkorde, schnelle harte Rhythmen) sich schnell auf den ganzen Körper und Gesang übertragen, aufpassen und immer locker bleiben! Hohe Töne nicht rausquetschen wollen so manche Kehle ist schon aus Angst vor hohen Tönen zugeschnürt. Eine gute Idee ist sicher die Stücke erstmal locker leise zu summen, z.B. auf nnnn. Oft sehe ich auch, dass die Stücke rhythmisch nicht klar sind, also vielleicht erstmal rhythmisch zur Gitarre sprechen. Langsam üben und jedes einzelne Intervall versuchen zu spüren, bis das Stück klar ist. Hören!!! Bewusst versuchen in den Raum hinein die gegenüber liegende Wand anzusingen und alles immer locker fließen lassen.

Weiter geht’s
Bei Klemm Music gibt es Ricarda Ulm ein interessantes Buch mit CD, das in Seminaren vorgestellt wird. Empfehlenswert für diejenigen, die schon länger singen, aber sich nie um Unterricht oder eine sonstige Anleitung gekümmert haben und in kurzer Zeit Ergebnisse erzielen wollen. Singen mit Ricarda: klemm-music.de/ricarda.

Wer noch tiefer einsteigen will und/oder schon versierter ist findet hier das Richtige: Komplette Gesangstechnik von Catherine Sadolin www.completevocaltechnique.com. Die deutsche Ausgabe ist über Martin Carbow www.carbow.net zu beziehen.

Viel Spaß und guten Flow

Jens Hausmann