David Lee Howard

david lee howard openstrings 2008

david lee howard openstrings 2008

Auf die Frage, ob er seine Musik beschreiben kann sagt er spontan:
„Es klingt, als wenn Carlos Santana mit Pink Floyd jammt und David Bowie die Texte dazu schreibt und singt!“
Gitarristen kennen David Lee Howard mittlerweile vor allem durch viele, viele Musikmessen. Nicht nur in Frankfurt ist der Amerikaner mit dem hessischen Akzent stets zur Stelle, wenn es um die Vorführung von Höfner Akustikgitarren geht. Dennoch gehört der Singer/Songwriter und 12-string Gitarrist hierzulande immer noch zu der unterschätzten Geheimtipp-Fraktion, obwohl der quirlige Musiker schon nahezu seit Ewigkeiten unterwegs ist und reichlich Veröffentlichungen vorlegen kann. Ich traf ihn zum Interview auf der Frankfurter Musikmesse 2013. Anlass war seine neue CD ‚Charlatan’, die er live mit seiner Band ‚The Fabolous Volcanos‘ einspielte. Worauf sich wohlmöglich am Ende der Name der CD bezieht wird dem Leser im Laufe des Interviews klar, oder spätestens beim Hören…

David Lee Howard Musikmesse 2013

David Lee Howard Musikmesse 2013

Erzähl mal, wie kamst du vor einem halben Jahrhundert zur Gitarre?
Oh je, das passt tatsächlich in etwa. Wie ich anfing? Ich wollte natürlich ein Rockstar werden und stand auf britischen Rock. Zu der Zeit lebte ich in Europa, da mein Vater beim Militär war. Direkt hier in Frankfurt spielte ich in einer deutschen Band damals in den Sechzigern. In den Siebzigern ging ich dann in die Vereinigten Staaten, nach Colorado, New Orleans und so, bis ich mich in Seattle niederließ. Dort gab es damals einen Musik-Boom und ich spielte 2-3 Jahre lang in verschiedenen Bands, bevor ich mein Solo-Projekt startete. In den Achtzigern spielte ich an die 5-6 Gigs pro Woche, jeweils 3-4 Stunden. Als sich aber das Business veränderte, fing ich an in Europa zu touren. Touren in Europa bedeutet: eigenes Material, weg von den Coversongs, inzwischen mache ich das ausschließlich. Daheim spiele ich im gesamten Nordwesten und den Pazifik runter, aber vorwiegend im Großraum Seattle.
Und du spielst ausschließlich 12-saitige Gitarren, stimmt’s?
Ja, mir wurde klar, dass sich meine 6-saitige Yamaha nicht so recht durchsetzen konnte, also versuchte ich es mit 12 Saiten. Ich liebe dieses orchestrale Feeling, die Bässe die Höhen und die glockigen Obertöne, wie bei einer Harfe. Seit ich 1976 damit anfing spiele ich ausschließlich 12-Saiter, das ist jetzt mein Orchester und ich habe alle Sounds, die ich brauche. Ich stimme sie einen Ganzton tiefer, damit habe ich mehr warme Bässe und eine leichtere Bespielbarkeit. Akustisch ist die Höfner nicht so gut wie elektrisch. Verstärkt hat sie mit ihrem Shadow Pickup ein ganz anderes Spektrum, genau richtig für den Einsatz in der Band, auch mit Effektgeräten. Nun bin ich in guter Gesellschaft, Jimi Hendrix kam auch aus Seattle und spielte eine 12-String im Fernsehen bei ‘I hear that train a-coming’ und Dave Mason spielte eine 12-String bei ‚All Along The Watchtower’. So ein Ding spielt halt nicht jeder, oder wenn nur gelegentlich, obwohl viele irgendwo noch eine unterm Bett haben.

Du hast schon reichlich CDs veröffentlicht, was gibt es zur Neusten zu berichten?
Ich habe über 20 CDs raus gebracht. Stilistisch geht es von New Age, Smooth Jazz instrumentalen Alben bis in die Singer/Songwriter Ecke. Meine letzte CD ‚Charlatan’ habe ich live mit meiner Band aufgenommen, wir übten 2-3 mal die Woche spielten dann etwas 12 Wochen und haben uns schließlich in einen schnuckeligen Laden eingemietet und vor 50 geladenen Gästen gespielt. Meine Parts sind alle original geblieben, die anderen Jungs haben teilweise ihre Parts im Nachhinein ausgetauscht. Daher auch der Titel ‚Charlatan’(er grinst). Nein, in Wirklichkeit geht es natürlich um den Titelsong. Ich spiele gern mit Band liebe es Keyboards und Bass dabei zu haben und damit es nicht zu laut wird hat unser Perkussionist ein Handsonic von Roland, das klingt großartig. Von den 2 Stunden aufgenommenem Material hat es etwa eine Stunde auf die CD geschafft. Es gibt es mit dem Stück ‘Sabre’ etwas Samba á la Santanas ‚Samba Pa Ti’, wir haben Reggae dabei, jazziges, manches ist instrumental andere Stücke haben Gesang mit cleveren Texten und es gibt sogar Einflüsse von den frühen Pink Floyd mit Echos und Atmosphäre. Ich liebe Musik, die atmet und mag es nicht, wenn nur Muster aneinandergereiht werden. Ich brauche die Freiheit zu experimentieren.

Was für Projekte stehen sonst noch an?
Wenn man auf meine Webseite geht, gibt es einen Link zu meinem Projekt ‚Stringsurfer‘. Dort ist ein Demo Video mit Yoga Übungen für Musiker. Ich habe das mal als Programm für das Seattle Symphony Orchestra angeboten: 60 Musiker mit einem Stuhl und einem Notenständer, das hat was. Inzwischen gibt es dazu eine DVD. Man muss es sich vor Augen führen: die Mehrheit der arbeitenden Musiker ist über 40 Jahre alt, ich mache mir langsam Sorgen um die Gitarre!
Aktivem Musizieren wird zunehmend weniger Wert beigemessen, aber das ist ein anderes Thema, ich bedanke mich für das Gespräch.
Gerne, es war mir ein Vergnügen!

Webseite von David Lee Howard
www.stringsurfer.com
David Lee Howard spielt Höfner Gitarren

Jens Hausmann

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