Dominantketten – Improvisation

Dominantketten tauchen in vielen Jazz-Stücken auf. Solange es flott geht, wie bei einem Turnaround im Jazz-Blues, kommt man bei der Improvisation schon mal über die Runden, ohne sich im Einzelnen um die Akkorde oder gar Skalen zu kümmern. Wenn die jeweiligen Akkorde aber einen ganzen Takt oder länger andauern muss man auf die Akkordtöne einzugehen. Beispiele wären alte Nummern wie Sweet Georgia Brown, oder der typische B-Teil der Rhythm-Changes, das ist die allgemeine Bezeichnung für die Akkorde des Stücks „I Got Rhythm von George Gershwin“. Oft werden hierfür einfach verschiedene Mixolydische Skalen auf den jeweiligen Grundton bezogen und hintereinander gereiht, aber das geht eleganter. Für einen größtmöglichen gemeinsamen Nenner von Tönen im Stück könnte man zum Beispiel die Arpeggiotöne (Töne der Akkorde) nehmen und die Lücken mit den Tönen der Tonleiter auffüllen, in der das Stück steht. Schließlich kommt die Dominantkette im Prinzip einfach daher, dass Mollseptakkorde eine große Dominantterz bekommen. So wird folgende Kadenz zu einer Dominantkette.

Kadenz in C-Dur: | Em7 |Am7 | Dm7 | G7 | Cmaj7 | (3-6-2-5-1)

Dominantkette: | E7 |A7 | D7 | G7 | Cmaj7 | (3-6-2-5-1)

Für jeden Akkord müsste man also nur auf einen einzigen Ton aufpassen, nämlich die große Terz, der Rest bleiben die Töne aus der C-Dur Tonleiter! Es ist also ganz einfach und sieht nur kompliziert aus, wenn das folgende Bezeichnungen ergibt:

E7: E-Mixolydisch b9b13 (Töne von A-Harmonisch-Moll)

A7: A-Mixolydisch b13 (Töne von D-Melodisch-Moll)

D7: D-Mixolydisch (Töne von G-Dur)

G7: G-Mixolydisch (Töne von C-Dur)

Vor diese Kette könnte man noch ein B7 vorschalten. Damit wäre man für alle Fälle gerüstet und hätte auch einen Septakkord für die 7. Stufe, wo eigentlich ein Bm7b5 steht. Dieser neue Dominantseptakkord hätte dann allerdings zwei Akkordtöne die von C-Dur abweichen. Das ist zum einen die große Terz D# und zum anderen die Quinte F# statt der verminderten Quinte F. Das ergibt dann:

B7: B-Mixolydisch b9b13 (Töne von E-Harmonisch Moll)

Fazit:
Wir kommen also mit „normalen“ mixolydischen Skalen schon ziemlich weit, bei D7 und G7 bleibt es dabei. Für A7 hätten wir mit dem Ton F die b 6/b13. Für E7 wäre das F die b2/b9 und C die b6/b13. Aber wie gesagt es bleibt jeweils bei den Tönen der C-Dur Tonleiter und der großen Dominantterz des jeweiligen Akkordes. Einzige Ausnahme B7: hier müsste man zusätzlich auf die Quinte achtgeben, der Akkord ist in diesem Kontext aber ohnehin selten, meistens gehen Dominantketten auf der dritten oder sechsten Stufe los.

Jens Hausmann

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