Hajo Hoffmann – Nachruf

Hajo Hoffmann starb gestern am 02. August im Alter von 57 viel zu früh an einem Herzinfarkt. Der Violinist stammte aus Hannover, und spielte auch Mandoline und Ukulele. Der vielseitige Künstler unterrichtete erst an der Kölner Hochschule wo er selbst studiert hatte und war später lange Jahre als Dozent für Jazzvioline und Weltmusik an der Hochschule für Musik in Hannover tätig. Als Musiker und Szene-Größe machte er sich in diversen Swing-Ensembles unter anderem mit Jörg Seidel und dem European Swing Trio, mit Jörg Widmoser und sogar mit Charlie Mariano einen Namen und arbeitete auch mit Heinz Rudolf Kunze zusammen. Inzwischen in Schalksmühle lebend war seinen eigenen musikalischen Projekten immer eine gute Portion verschmitzter Humor zu Eigen, darüber hinaus gab er sich ungern mit Standardlösungen zufrieden, sondern suchte konsequent und innovativ seinen eigenen Weg. Das zeigte sich schon auf der CD zum ersten Crossover-Soloprojekt ‚Mandovocale’ mit Mandoline und wurde  beim zweiten Solo-Projekt mit Ukulele noch deutlicher, denn er stimmte die Ukulele nicht wie üblich, sondern wie eine Geige oder Mandoline – nur eine Quarte tiefer! Zu seiner ganz eigenen Stimme auf diesem Instrument trug noch bei, dass er sie mit Plektrum wie eine Mandoline statt mit Fingern spielte. Echter Crossover zwischen Mandoline und Ukulele. Aus beiden Welten schaffte der Künstler so etwas Eigenes mit erweitertem Tonumfang, live auch gern mit Loop-Station, jedes Mittel war recht. Das Klangbild seiner Ukulele war transparent und weicher als mit der Mandoline. Der Begriff Crossover bezog sich natürlich eigentlich mehr auf den Stilmix, jazziges stand gleichberechtigt neben portugiesisch/brasilianischen Folklore-Anklängen, hier ruhig, da virtuos schafften eigene Kompositionen Abwechslung und Barock war ein weiterer Gegenpol: Bachs Chaconne für Violine funktioniert auch eine Quarte tiefer überzeugend. Ansonsten wurden auf seiner Solo- CD ‚Los gelassen- Ukulele in Concert‘ die Genres munter verwoben und das Ganze mündete leicht ironisch im Kinderlied ‚Alle Vöglein sind schon da’ mit jazziger Intervention von Brubecks ‚Take Five’. Ein wunderbarer Musiker ist viel zu früh gegangen, von Hajo Hoffmann wäre ganz sicher noch viel Inspirierendes gekommen.
Jens Hausmann

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