Paul O’Brian – Long May You Sing

Paul O'Brian

Musikmesse Frankfurt 2013 Foto: Jens Hausmann

Als der Engländer mit irischen Wurzeln in den Nordwesten Kanadas übersiedelte wollte er sich schon aus dem aktiven Musikbusiness zurückziehen und lieber als Lehrer arbeiten. Es kam anders, denn daraus wurde ein Neuanfang: es fehlte nur noch eine denkwürdige Fahrt in den Sonnenuntergang, um die eigentliche Bestimmung zu finden und die musikalische Karriere sollte erst richtig losgehen. In England waren es noch vornehmlich Cover-Songs und Pub-Gigs. Aber Kanada inspirierte ihn nun endlich dazu ein echter Singer/Songwriter mit eigenem Material zu werden. Mit der aktuellen CD widmet Paul O’Brian seiner Wahlheimat ein würdiges Tribut. Der Kreis schließt sich hier zwar wieder mit Cover-Songs, aber unter ganz anderen Vorzeichen, oder mit den Worten des Künstlers: „My final thank-you is to Canada.“

Ich durfte schon einige Male über Paul O’Brian für Akustik Gitarre schreiben, so auch zur aktuellen CD ‚Long May You Sing’ (demnächst in AG &/13) hier folgt quasi als Nachschlag noch ein kleines Interview zur aktuellen Tour.

Hallo Paul, danke dass du dir hier in Frankfurt auf der Musikmesse die Zeit nimmst. Erzähl uns etwas über die neue CD und aktuelle Tour.
Gern, das Album heißt ‚Long May You Sing’, benannt nach Neil Youngs Song, den er über sein Auto schrieb. Die Tour dazu geht am 15. September los, wir freuen uns schon sehr drauf.

Interessant! Mit so einer Auto Geschichte kann man sich ja prima identifizieren.
Genau, jeder hatte mal so ein Auto. Die CD konnte ich mit Don Ross aufnehmen, damit erfüllte sich ein Traum. Ich war tief beeindruckt, als ich ihn das erste Mal in Kanada hörte, zehn Jahre später sitze ich nun selbst mit ihm im Studio, unglaublich! Don spielte auch eins seiner eigenen Stücke (Brooke’s Waltz), ein Solo-Gitarrenstück für Brooke. Ein weiteres Instrumental stammt vom Fiddle-Spieler Oliver Schroer (A Song For All Seasons) und dann gibt es noch eins von mir (Silvia’s River). Der Rest sind kanadische Songs. Manche Favoriten sind so bekannt, dass ich sie noch aus Zeiten kenne, als ich in England und Irland aufwuchs, andere kennt man eher weniger.

Du hast die Stücke teilweise geändert, bei ‘Big Yellow Taxi’ ist der Chorus länger, oder?
Gut möglich, es ist immer die Frage der Balance, möglichst einen eigenen Weg zu finden aber andererseits dem Stück treu zu bleiben. Wenn ich Songs lerne, höre ich sie vorher nur ein – zwei Mal, und mache dann sicher auch Fehler, aber mit etwas Glück bringt das einen kleinen Unterschied und hält mich vom kopieren ab, was ich ohnehin nicht könnte und selbst wenn: auch eine perfekte Kopie wäre völlig uninteressant. Man muss eine andere Richtung finden!

So gehst du mit den Stücken um, als wären sie von dir?
Im Grunde ja. An dem Joni Mitchell Song bin ich schon seit Jahren und ihr 70. Geburtstag war auch der Anlass für das ganze Projekt. Es macht natürlich einen Unterschied wenn man als Mann etwas auswählt, was im Original von einer Frau gesungen wurde. Vermutlich bekäme ich einen Schrecken, wenn ich mir das Original jetzt wieder anhören würde, aber solange ich mit meiner Version niemanden störe oder großen Mist baue ist es wohl in Ordnung. Don gab mir bei den Aufnahmen immer einen guten Referenzpunkt. Er kennt das Material In- Auswendig und stupste mich hier und da zu recht, wenn ich zu sehr von der Melodie abwich. Wir haben es unter uns ausgemacht, es lässt sich ganz hervorragend mit Don arbeiten und macht Riesenspaß. Die Songs sind so stark, gutes Material verlangt eine gute Performance, da darf nichts anbrennen.

Paul O'Brian

Musikmesse Frankfurt 2013

Kannst du noch konkreter auf einzelne Stücke eingehen, zum Beispiel das Tuning bei ‘Big Yellow Taxi’?
Oh, das ist einfach in Standard-Stimmung mit einem E-Dur Akkord in der V. und VII. Lage. Also A über E and B über A und in der XII Lage als Oktave. Mit den offenen Saiten klingt das wie ein Open Tuning. Ich finde es wichtig, am besten gleich mit anderen Tonarten oder Tunings anzufangen, um von vornherein einen Unterschied zu bekommen. Aber bei ‘Hallelujah’ habe ich mich zurück gehalten, ganz simpel, bei so einem perfekten, ikonischem Song, muss man sehr vorsichtig sein. Am Ende ist es dann ein Mix aus einem eigenem Weg und Kopieren. Bei Bruce Cockburns ‘ Pacing the Cage’ wusste Don als alter Cockburn Fan, viel genauer wie es geht, ganz so konnte ich es nicht, als musten wir einen Kompromiss finden. Mittendrin haben wir ‘Creation Dream’ von Cockburn als Instrumental eingebaut. Manche Songs kannte ich nicht mal im Original, sondern von anderen Sängern. ‘Sonny’s Dream’ von Ron Hynes kennt man in Irland von Christy Moore und glaubt es wäre von ihm. Ron lebt aber in Neufundland und dort ist es so etwas wie eine Hymne. Christy hat sogar den Text an irische Verhältnisse angepasst und an seiner Version habe ich mich orientiert. Also ist es absolut keine puristische Scheibe geworden, sondern sie reflektiert, wie die Songs zu mir gekommen sind.

Hast du auch Glen Hansards ‘Falling Slowly’ aufgenommen, wie du es heute gespielt hast?
Nein, das ist nicht auf dem Album. Ich singe das gern mit meinen Kindern, mit meiner Tochter im Duo. Weil die BSG Gitarren in Tschechien gebaut werden, fand ich es gerade passend, denn der Song ist durch Marieta ja auch zur Hälfte tschechisch. Auf der CD ist auch ‚Jasper’, ein Song von Aidan Knight, den auch kaum jemand kennt. Er ist ein großartiger Singer/Songwriter. Auch von Sarah McLauchlan ist etwas dabei und von Stan Rodgers ein quintessentieller kanadischer Songwriter. ‘If You Could Read My Mind’ von Gordon Lightfoot durfte nicht fehlen und eine versteckte Version von Hallelujah, aber mehr wird nicht verraten.

Und das gesamte Album ist von euch beiden allein eingespielt?
Oh, nein, es ist im typischen Stockfisch Stil: Gunter bringt seine Leute ein, obwohl Don auch Bass gespielt hat. Stockfisch ist für bestimmte Sachen bekannt, eine davon ist Hans-Jörg Maucksch am Fretless Bass. Wenn man dort produziert, soll das so sein und wer wäre ich wenn ich das ändern wollte? Ich bin froh und dankbar über die Gelegenheit mit einer Legende wie Gunter Pauler arbeiten zu dürfen. Ich mache meinen Part, suche das Material aus und arrangiere die Songs. Dann spiele ich die Gitarren ein, in diesem Fall mit Don. Gunter fragt mich nach weiteren Wünschen und ich sage vielleicht, hier hätte ich gern eine Dobro, da ein paar Backvocals. Meine Vorschläge werden nicht unbedingt alle umgesetzt, aber er schreibt alles auf den Tracksheet und behält es im Hinterkopf. und was  geht macht er es möglich. Anders kann die Zusammenarbeit auf die Distanz nach Kanada nicht gehen und was den Mix angeht, macht er es sowieso besser als ich je könnte. So habe ich mit Don die Gitarren live und ohne Click eingespielt, Don hat dann hier und da noch eine Baritongitarre, Bass und seine deutsche Frame mit Effekten eingespielt und unsere Studioarbeit war beendet.

Verrate uns zum Schluss noch ein paar Details zur Tour ab September.
Klar, wir spielen im Trio mit Lars Hansen an der Gitarre und Heinz Lichius der Bassist und Schlagzeuger. Wir werden mit Gitarre, Bass und Perkussion viel Variation reinbringen können, eine tolle Gelegenheit und Herausforderung, denn ich möchte es gern möglichst interessant machen. Die Tour geht am 15. September los und läuft etwa vier Wochen. Natürlich geht es primär um die Songs vom aktuellen Album, es wird sicher aufregend!

Ich freue mich schon drauf, dich auf Tour zu sehen, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, Paul!
Es war mir ein Vergnügen, danke!
Webseite von Paul O’Brian Paul O’Brian spielt Rozawood, BSG Gitarren und AER Amps

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Jens Hausmann

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