Stockholm aus Sicht von Karin Mikara

Karin MikaraStockholm aus Sicht einer deutschen Musikerin
Nach dem Interview mit Karin Mikara blieben wir in Kontakt und ich war natürlich neugierig auf ihre persönlichen Erfahrungen in Stockholm. Darauf ging Karin bereitwillig per E-Mail ein. Die Wahl-Stockholmerin erlaubte mir, quasi als Nachschlag zum Interview ihren Bericht hier in eigenen Worten in Kurzfassung wiederzugeben.

Leben in Stockholm
Schweden ist sehr offen gegenüber ausländischen Firmengründungen, aber es gibt so gut wie keine Hilfestellung. Wer es schafft kann bleiben, wem das zu viel wird, sein Problem! Ein Bankkonto kann man als Privatperson nur eröffnen, wenn regelmäßige Einkünfte in einem festen Job vorliegen. Die Existenzgründerin schreibt, die einzige Erleichterung am Anfang war ein kleiner Kredit, erlangt durch schriftliche Antragsstellung auf Schwedisch inklusive persönlichem Gespräch und einer Portion Glück und das mit dem Konto klappte dann doch. Also auf zum berühmten Möbelhersteller mit vier Buchstaben und schon ist das Gitarrenstudio eingerichtet. Es sind ja nur 32 qm, aber für eine vierstellige Miete braucht es eine Menge Schüler und die Privatsphäre in einer separaten Wohnung muss auf später vertagt werden. Das erste Jahr war wohl sehr hart, so erzählt die Gitarrenlehrerin, Telefon und Internet gibt es erst nach Monaten. Diverse Behören, Papierkram und Steuerregeln bereiten Mühe, als Einwanderer muss sie sich mit all dem auf Schwedisch arrangieren. Der Unterricht läuft indes schleppend an. Dann kam die Werbung mit Webseite, selbstentworfenem Logo und Aufbau von Kontakten und Mundpropaganda. Karin liebt das Land Schweden von ganzem Herzen, die schwedische Sprache als wichtigen Teil davon noch mehr, aber die ersten Versuche mit VHS in Deutschland und Intensivsprachkurs in Stockholm fruchten weniger als ein Lehrbuch mit CD nach der ‚Assimil-Methode‘. Sie lernt mit Freude direkt in der sprachlichen Alltagsituation bewaffnet mit einem Wörterbuch, aber es geht schnell und fällt ihr leicht. Jetzt nach drei Jahren geht es ihr gut, sie fühlt sie sich inzwischen zuhause, angekommen.

Stockholmer Musikszene
Natürlich geht es am Anfang darum, die relevanten Orte des musikalischen Geschehens abzuklappern. In Kontakt kommen und möglichst häufig spielen, oder wenigstens mitspielen ist das Ziel, auch wenn es nicht immer ganz die Musik ist, die einem liegt. Die ersten Auftritte sind im Grunde Werbung für den Unterricht, unbezahlt. Darüber hinaus ist es schwer, denn es gibt in Stockholm eine ausgeprägte Hobby-Szene, es wird einfach zum Spaß gespielt, oder bestenfalls gegen Eintritt. Das Publikum scheint daran gewöhnt, die Stadt ist sozusagen schon gratis mit Musik erfüllt, warum also dafür bezahlen? Am Ende bleibt nur die Möglichkeit die Veranstaltungen in Eigenregie durchzuführen und das komplette Risiko inklusive Raummiete, Werbung selbst zu tragen. Für Frau Mikara ist das keine Dauerlösung. Inzwischen ist die Gitarristin Mitglied einer Musikvereinigung zur Förderung von Konzerten, in der Hoffnung bald in ganz Schweden spielen zu können. Dann ist da noch die Sache mit dem Stipendium, siehe Interview. Ein Vorteil in Schweden ist, dass man auch noch ein Stipendium bekommen kann, wenn man nicht mehr Mitte zwanzig ist, sagt die Musikerin. Bleibt mir nur ihr viel Glück zu wünschen, vielleicht lässt sie uns an ihren Erlebnissen mal mit einem eigenen Blog teilhaben, wenn es die Zeit erlaubt.

Jens Hausmann

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